Aus dem Englischen von Volker Oldenburg. Geh die Slade Alley hinunter - schmal, feucht und leicht zu verfehlen, selbst wenn du sie suchst. Finde das kleine schwarze Eisentor in der Mauer zur Rechten. Keine Klinke, kein Schlüsselloch, aber wenn du es berührst, schwingt es auf. Tritt in den sonnendurchfluteten Garten eines alten Hauses, das dort unpassend wirkt: zu nobel für die schäbige Nachbarschaft, irgendwie zu groß für das Grundstück. Ein Fremder begrüßt dich und führt dich hinein. Zunächst möchtest du gar nicht mehr fort. Dann merkst du, dass du es nicht mehr kannst. Denn alle neun Jahre, am letzten Sonntag im Oktober, wird ein "Gast" ins Slade House eingeladen. Doch warum wurde er oder sie ausgewählt, von wem und zu welchem Zweck?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2018
Spätestens seit dessen Erfolgsroman "Cloud Atlas" schätzt Rezensent Cornelius Dieckmann den amerikanischen Autor David Mitchell - wenngleich er gestehen muss, dass "Slade House" an die Wucht des Vorgängers nicht ganz heranreicht. Dennoch hat er hier ein "merkwürdig lächelndes Stück Unterhaltungsliteratur" gelesen, das ihm mit einer Idee Dracula, Dorian Gray und Mr. Hyde im Hinterkopf das Schauermärchen eines britischen, adeligen Zwillingspaares erzählt, das auf der Suche nach Unsterblichkeit in regelmäßigen Abständen Gäste in ihr Spukschloss bittet, um genüsslich deren Seelen zu verspeisen. Wie Mitchell in diesem literarischen Alptraum mit den Grenzen der menschlichen Vorstellungskraft spielt, das Ganze mit einer ordentlichen Prise Humor und einigen Spielereien würzt und dabei nie ins Klischee abrutscht, hat dem Rezensenten gut gefallen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.07.2018
Als Kenner von David Mitchells anderen Schauerromanen haut dieses Buch Jürgen Brocan nicht um, durchschaut er doch recht bald die Konstruktion des Textes. Neulingen im motivisch verzahnten Romankosmos von David Mitchell verspricht das Buch aber spannende Lektüre, versichert der Rezensent. Vorzüglich findet er die Übersetzung von Volker Oldenburg, haarsträubend die geschilderten Erlebnisse mit dem "haunted house" in der Slade Alley. Wie der Autor unterhaltsam und zugleich literarisch anspruchsvoll Zutaten des zünftigen Horrors, der Fantastik und moralische wie metaphysische Ideen wie die von der Unsterblichkeit modern abmischt, findet Brocan beeindruckend.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.05.2018
Rezensentin Jutta Person stellt fest, dass David Mitchells Dauerfeuerwerk der Figuren, Handlungen und ihrer Verflechtungen in diesem Roman einen selbstironischen Dreh bekommt, etwa indem der Autor sich selbst zitiert, das Buch als Mischung aus M. C. Escher und Stephen King apostrophiert und seine Konstruktionsprinzipien offen darlegt. Auch wenn der Autor sprachlich und stilistisch nicht überzieht, an popkulturellen Verweisen und Knalleffekten mangelt es diesem "verspielten Gruselknaller", in dem zwei Seelenvampire ihr Unwesen treiben, nicht, meint Person.
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