Aus dem Englischen von Elsa Laudan. Los Angeles 1938. Marlowe misstraut dem millionenschweren alten Patriarchen, dessen verschwundene Erbin er suchen soll. Kann sein, dass das seine Prioritäten ein bisschen verzerrt. Aber irgendwie muss auch die Miete reinkommen.Illusionen abgeneigt, Leere in der Tasche, Neugier im Herzen: Philip Marlowe, Inbegriff und Ursprung des hartgesottenen Detektivs, auferstanden dank der genialen Noir-Autorin Denise Mina, sucht im L. A. der Hütten und Paläste nach einer Wahrheit, mit der er leben kann.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.05.2026
Interessiert bespricht Rezensentin Katrin Doerksen diesen Roman, in dem Denise Mina einen berühmten Detektiv der Kriminalliteraturgeschichte wiederauferstehen lässt: die Raymond-Chandler-Kreation Philip Marlowe, der diesmal im Fall einer verschwundenen Tochter eines Ölkrösus ermittelt. Marlowe findet schnell heraus, dass die Tochter aus freien Stücken verschwunden ist und muss sich vor allem überlegen, ob es überhaupt sinnvoll ist, sie wiederzufinden. Mina trifft Raymond Chandlers Tonfall laut Doerksen ziemlich perfekt, bis hin zur Vorliebe des Krimiautors für Metaphern und Vergleiche, auch die Plotverwicklungen übernimmt sie geschickt vom Original. Gleichzeitig fügt sie der Vorlage eine feministische Perspektive hinzu, die Frauen in dieser Geschichte lassen sich von Marlowe keineswegs für dumm verkaufen, was dieser auch zu akzeptieren versteht. Ist das alles mehr als eine Übung in Pastiche? Ja, meint Doerksen, weil es Mina offensichtlich darum geht, Parallelen zu ziehen zwischen der Handlungszeit in den 1930ern und unserer Gegenwart, etwa was anschwellenden Antisemitismus und Wirtschaftskrisen betrifft. Alles in allem scheint Doerksen die Wiederauferstehung des legendären Hard-Boiled-Detektivs recht gut gefallen zu haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.04.2026
Rezensentin Sylvia Staude findet Denise Minas Chandler-Adaption durchaus gelungen. Dass eine feministische Krimiautorin wie Mina einen toxischen Ermittler als Hauptfigur einsetzt, findet sie an sich schon bemerkenswert. Wie Mina mit dem Vorbild umgeht noch mehr. Nicht nur ahmt sie gekonnt den lakonischen Chandler-Stil nach, sie bevölkert den Text auch mit eloquenten und selbstbewussten Frauen, staunt Staude. Dass weiterhin viel Alkohol im Spiel ist, kann Staude da verkraften.
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