Ahmed Mater erfasst in seinen Fotografien die Ursprünge der Stadt Mekka ebenso wie Entwicklungen der letzten fünf Jahre. Mekka wies bis vor Kurzem ein einzigartiges städtisches Flickwerk übereinanderliegender Geschichte(n) auf, das von seinen zahlreichen, tief verwurzelten Gemeinschaften und Kulturen geknüpft wurde. Dieser Ort, dessen Bevölkerungszahl regelmässig grossen Schwankungen unterliegt und besonders zum Ramadan jeweils stark ansteigt, bot sowohl der sakralen Architektur als auch heiligen Stätten Platz. Bis zu drei Millionen Besucher pro Jahr reisen auf der grossen Pilgerfahrt Hadsch oder für das Opferfest Eid nach Mekka. In den letzten Jahren wurden diese Orte und Gemeinschaften nahezu gänzlich zerstört und durch in den Himmel ragende Hotelbauten mit fünf Sternen ersetzt. Dadurch verwandelte sich die aktive Metropole in die in jeder Hinsicht exklusivste und gleichzeitig meistfrequentierte religiöse Tourismusdestination der Welt, an der sich ein nicht vorhergesehenes Experimentieren mit Architektur und dessen mögliche Auswirkungen auf die Sozialstruktur der Stadt ablesen lässt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.03.2017
Allen Nicht-Muslimen, die Mekka nicht bereisen dürfen, kann Rezensent Jörg Häntzschel nachdrücklich Ahmed Maters Bildband empfehlen. Der Arzt hat in den vergangenen zehn Jahren mehr als 600 Fotos von der sich stetig wandelnden Pilgerstätte gemacht, informiert der Kritiker, der hier nicht nur Fresken in alten Moscheen oder Familienfeiern der Scheichs in Luxussuiten bestaunt, sondern auch erlebt, wie Bauarbeiter sich, wie Sklaven gehalten, auf Stockbetten drängen oder wie Menschen bei einer Massenpanik zu Tode getrampelt werden. Insbesondere bewundert Häntzschel, dass der Fotograf sich diesem religiösen Las Vegas diskret, urteilsfrei und ohne "Polemik" nähert.
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