Herausgegeben von Wolfgang U. Eckart, Volker Sellin und Eike Wolgast. Wie hat sich die nationalsozialistische Herrschaft auf die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg ausgewirkt? In dem vorliegenden Band berichten 36 Autoren erstmals umfassend über sämtliche an der Universität vertretenen Disziplinen in der Zeit von 1933 bis 1945. Untersucht werden sowohl die Entwicklungen in der Gesamtuniversität (Gleichschaltung, Durchsetzung des Führerprinzips, Aufhebung der Autonomie, Vertreibung von Dozenten, gelenkte Berufungspolitik, Einflussnahmen der Partei und ihrer Gliederungen, Disziplinierung der Studierenden) als auch die Entwicklung von Forschung und Lehre sowie die personellen Veränderungen, die räumliche Unterbringung und die materielle Ausstattung in allen Fächern und Instituten. Wie sich zeigt, hat es ganz unterschiedliche Formen der Reaktion auf das Regime gegeben. Das Spektrum reicht von verbrecherischer Forschung bis zu unspektakulärer Anpassung und in einigen Fällen kühler Distanzierung. Die Darstellung der einzelnen Disziplinen setzt jeweils bei der Situation am Ende der Weimarer Republik ein und endet mit dem Blick auf Umbruch und Neubeginn nach dem Untergang des Dritten Reiches.Das Werk besitzt über die Geschichte der Universität Heidelberg hinaus exemplarische Bedeutung für die Geschichte von Universität und Wissenschaft im Nationalsozialismus generell.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.01.2007
Dass die Beschäftigung der Heidelberger Universität mit der eigenen Geschichte reichlich spät kommt, möchte Frank-Rutger Hausmann dann doch nicht verschweigen. Um so mehr freut ihn der umfassende, 33 Beiträge enthaltene instituts- und personengeschichtlich orientierte Band - eine "Art Handbuch". Positiv aufgefallen sind dem Rezensenten die weitreichende Quellenkenntnis der aus dem Universitätsarchiv oder aus bereits vorliegenden Veröffentlichungen schöpfenden, den Weg von der Weimarer Republik bis zum Neuanfang nach dem Krieg nachzeichnenden Beiträge sowie die Gründlichkeit der Recherche. Auch die Ausgewogenheit, mit der die Position der einzelnen Fakultäten im "Dritten Reich" beurteilt wird, findet Hausmann bemerkenswert.
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