Warum scheiterte der Reichskirchenminister - und welchen strategischen Nutzen zog Hitler daraus? Das vorliegende Buch analysiert das vollständige Scheitern des von Hitler persönlich eingerichteten Reichskirchenministeriums unter Hanns Kerrl als bewusst geschaffene dysfunktionale Institution. Kerrl, der als Kirchenminister nicht ein einziges seiner Ziele erreichte, brillierte in diesem Scheitern als der nützliche Verlierer in Hitlers kirchenpolitischer Strategie: Der Diktator war bemüht, die relativ kirchenfreundliche Fassade seines Ministers zu wahren und die Kooperation der Kirchen mit dem Regime aufrecht zu erhalten. Dies diente dazu, seine Macht innerhalb des NS-Herrschaftsapparates zu vergrößern und sich nach außen hin als Integrationsfigur für sämtliche kirchenpolitischen Strömungen zu inszenieren. Basierend auf umfassendem Quellenmaterial entlarvt die vorliegende Untersuchung das vermeintliche Scheitern als gezielte Strategie Hitlers.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2026
Ein interessantes, aber nicht wirklich überzeugendes Buch legt der Kirchenhistoriker Daniel E.D. Müller hier laut Rezensent Peter Hoeres vor. Müller beschäftigt sich mit Hanns Kerrl, der das 1935 gegründete Reichsministerium für kirchliche Angelegenheiten leitete. Kerrl war überzeugter Nationalsozialist und gläubiger Protestant und in der Tat der Auffassung, dass der christliche Glaube im NS-Staat seine Erfüllung findet. Als Politiker scheiterte Kerrl jedoch auf ganzer Linie, er hatte immer wieder Probleme mit dem Reichskonkordat aus dem Jahr 1933 und konnte weder die katholische, noch die protestantische Kirche in seinem Sinne national gleichschalten. Müller argumentiert, dass das von Seiten Hitlers auch genau so gewollt war, da dessen Ziel darin bestand, die kirchliche Macht komplett zu zerschlagen, damit sie nicht seine eigene Stellung gefährden konnte. Hoeres ist sich da nicht so sicher, vor allem weil Politik im NS-Staat oft situativ betrieben wurde und nicht so einfach auf systematische Überlegungen zurückführbar ist, wie Müller es beschreibt. Auch überspringt die Darstellung Müllers wichtige Ereignisse, kritisiert Hoeres, der trotz seines ambivalenten Fazits hofft, dass das Feld der kirchenbezogenen Zeitgeschichtsforschung weiter eifrig beackert wird.
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