Der langjährige Redaktionsmitarbeiter Markus Hafner beleuchtet nun erstmals die Verstrickungen der Hauptakteure rund um den Gnomon während der NS-Zeit. Das sich dabei ergebende Gesamtbild einer akademischen Disziplin bildet einen wichtigen Mosaikstein zum besseren Verständnis der "Gleichschaltung" der deutschen Universitätslandschaft im "Dritten Reich".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2025
Rezensent Jannis Koltermann liest Markus Hafners Studie über das Versagen des humanistischen Bildungsideals im Nationalsozialismus mit großem Interesse. Hafner rekonstruiert detailliert, wie jüdische Herausgeber wie Eduard Fraenkel 1933 aus dem Herausgebergremium der renommierten Fachzeitschrift "Gnomon" gedrängt wurden - "durchaus bewusst" antisemitisch, wie ein Brief des damaligen Redakteurs Richard Harder belegt, erklärt Koltermann. Dieser versuchte zudem, den Ausschluss durch eine "allgemeine Umbildung" zu verschleiern, um Reputationsschäden im Ausland zu vermeiden, erfahren wir. Koltermann lobt die Auswertung neu entdeckter Korrespondenzen, moniert aber, dass die Studie größere Kontextualisierung vermissen lasse: Wie reagierten andere Zeitschriften? Welche strukturellen Zwänge bestanden? Dennoch sieht der Kritiker in Hafners Arbeit ein Referenzwerk, dessen erschreckende Einsichten beispielhaft zeigen, wie "menschliche Rücksichten" zugunsten ideologischer Konformität geopfert wurden.
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