England im elisabethanischen Zeitalter: Der Dichter Christopher Marlowe wird vom Geheimdienst angeworben, um aus Frankreich über feindliche Aktivitäten zu berichten. Versehen mit einer falschen Identität und einem in unsichtbarer Tinte ausgestellten Kreditbrief wird er nach Paris geschickt, wo er nach Kneipenschlägereien und amourösen Abenteuern allerdings schnell auffliegt und zum Doppelagenten umgedreht wird. Zurück in England erwartet ihn wegen Landesverrats die Liquidierung. Gelingt der verwegene Plan, seinen Tod vorzutäuschen, sich nach Irland abzusetzen und undercover neue Theaterstücke zu schreiben?
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 27.11.2008
Understatement und Trockenheit bescheinigt Rezensentin Hilal Sezgin Dieter Kühns Krimi über den bis heute ungeklärten Mord an dem elisabethanischen Dramatiker Christopher Marlowe. Das historische Bild, das sein Roman aus fiktiven Geheimdienstakten, Verhören und Geständnissen entstehen lasse, erinnert sie allerdings auch stark an Raymond Chandlers Detektiv Marlowe. Dabei scheint es eine Qualität zu sein, dass Kühn hier nicht allzu forciert eine historische Kulisse erschreibt, und doch dazu beiträgt, die Ehre des historischen Romans auf dem Feld der Kriminalliteratur höchst ehrenhaft zu verteidigen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.2007
Gegen die Falschheit technischer Details in diesem Buch will Rezensent Tobias Döring gar nichts sagen. Im historischen Roman, meint er, geht?s um anderes. Historie und Gegenwart aneinander zu messen etwa. Christopher Marlowe und seine Geschichte erscheint ihm da zeitgemäß interessant. Leider vermag Dieter Kühns "biederer Zettelkasten" Dörings Neugier ganz und gar nicht zu stillen. Unter den Händen des Autors gerät das "suggestive Material" zum "Aktenbündel". Den Leser selbst auf Spurensuche zu schicken, hält Döring dabei für gar keine so schlechte Idee. Schade bloß, dass Kühn dem eigenen Kompositionsansatz nicht traut und kommentiert und paraphrasiert, was das Zeug hält. Döring geht das mächtig auf die Nerven. Sicherlich auch deshalb, weil er dem Autor bis zum Ende bei der Suche nach Tonfall und Rhythmus zuschauen muss. Gefunden, warnt Döring, hat er beides nicht.
Recht angetan zeigt sich Rezensent Christian Semler von Dieter Kühns in der Zeit Elisabeths I. angesiedeltem Roman "Geheimagent Marlowe". Der aus fingierten Dokumenten bestehende Roman um Christopher Marlowe, einen Tragödiendichter, Zeitgenossen Shakespeares und Geheimagenten der britischen Krone, scheint ihm nicht nur spannend, sondern auch "vergnüglich". Die Konstruktion eines Spannungsfelds zwischen dem Dichter, seinen Geheimdienstkollegen, der rivalisierenden Truppe des französischen Geheimdienstes und der Leitung des Secret Service in London hält er für überaus gelungen. Lobend äußert er sich zudem über die Vertrautheit des Autors mit der elisabethanischen Welt sowie den Verzicht auf eine historisierende Renaissance-Kunstsprache. Außerdem scheint ihm die Atmosphäre der permanenten Angst vor einem terroristischen Anschlag auf die Königin überzeugend eingefangen. Ein Punkt, der ihn an die gegenwärtige Situation erinnert. Daher will er den Roman nicht nur als historischen betrachten, denn mit seiner Hilfe lasse sich die heutige Atmosphäre besser verstehen.
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