Skyrmionen
Oder: A Fucking Army

Matthes und Seitz, Berlin 2025
ISBN
9783751810296
Gebunden, 966 Seiten, 38,00
EUR
Klappentext
Als Renate Hofer in einen Wassertank stürzt, der die Lüftung eines riesigen Datenspeichers reinigt, hat sie nicht nur Todesangst, sondern auch eine Erleuchtung: Sie wird eine Maschine bauen, wie es noch keine gegeben hat, zur notwendigen Überwindung des Computerzeitalters. Ihr Plan nimmt Form an in der Welt, die wir kennen - eine Pandemie hat gewütet, das Vertrauen zur Sprache schwindet, Geld frisst Gerechtigkeit. Zu seiner Umsetzung rekrutiert Renate die Mutigsten und Schlausten aus Physik und Kunst, aus Sprachforschung und Finanztrickserei, eine ganze Fucking Army: Kerstin Waldmann, Doro Coppe, Xiasong Zhao, Vexus Texas und mehr. Mit ihnen baut sie eine neue Welt aus den winzigen Wirbeln, die so heißen wie dieser Roman: Skyrmionen.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 26.08.2025
Anstrengend ist das schon, was Dietmar Dath hier zu Papier bringt, meint Rezensent Stefan Michalzik, aber es lohnt sich, dran zu bleiben. Wobei die knapp 1000 Seiten, schränkt er ein, vielleicht doch ein paar zu viel sind, schließlich geht es in Genreliteratur auch um Verknappung. Und Genreliteratur möchte dieses Buch durchaus sein, genauer gesagt handelt es sich um einen Science-Fiction-Roman, deren Hauptfigur Renate Hofer, lesen wir, eine Zukunftsstadt namens Soncha Kapa entwirft. Weiterhin tauchen sogenannte Diffpersonen auf, artifizielle Menschen mit besonderen Fähigkeiten, erklärt uns der Kritiker. Dath eine entwirft eine Art Utopie, in der die Menschheit zwar von Geiseln wie der Erwerbsarbeit befreit ist, der man aber dennoch nicht ganz trauen sollte, fährt Michalzik fort. Diese Geschichte verbindet Dath mit theoretischen Abhandlungen insbesondere zum Marxismus-Leninismus, auch selbstreflexive Passagen über Daths eigene Schreibpraxis sowie über das Gefühl der Genervtheit in der Popliteratur bindet er ein. Einen langen Atem braucht man für das alles, aber in seiner "nonrealistischen" literarischen Annäherung an die Realität ist Dath nach wie vor ein lesenswerter Autor, schließt der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 26.06.2025
Rezensent Lars Weisbrod lässt sich gleich mehrfach umhauen von Dietmar Daths neuem Buch: Erstens, weil es mit 1,252 Kilo ein echter Klopper ist, zweitens, weil Dath auch inhaltlich und sprachlich mal wieder alles gibt. Die Protagonistin Renate ist die Tochter eines Unternehmers, der Computerserverfarmen unterhält, in die sie eines Nachts einbricht, so Weisbrod, und ins Kühlwasserbecken springt, das allerdings eine "besondere Neuro-Suppe" ist und ihr ungeahnte Kräfte verleiht. Einige wilde sexuelle Erfahrungen später (unter anderem sind Cornflakes involviert) hat sie eine Maschine erfunden, die eigentlich eine ganze Stadt ist und für den Kritiker melodisch und sprachmächtig daherkommt, "gerippt in gekippten Leisten." Die Frage, wie in dieser neuen Gesellschaft gelebt werden könnte, werde mit ausufernden wissenschaftlichen Diskursen zu Transfeindlichkeit, Marxismus und den titelgebenden "Skyrmionen", physikalische Wirbeln, verbunden. Anregend, spaßig, typisch Dath, hält Weisbrod zum Abschluss fasziniert fest und empfiehlt dieses intellektuelle Pointenfeuerwerk aus Wissenschaft und Sex gern.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 02.05.2025
Rezensent Tobias Lehmkuhl macht sich einen Spaß daraus, den neuen Roman von Dietmar Dath zu rezensieren. Anders kann er sich dem Trumm von einem Buch gar nicht nähern, schon da ihm Dath über jede Kritik erhaben und Leser-Überforderung bei diesem Autor Programm zu sein scheint. Die monumentale, von unzähligen Figuren und Identitäten bevölkerte und laut Lehmkuhl mit einem vielfältigen Soundtrack versehene SF-Story um ein Mädchen, das die Maschine der Maschinen ersinnt, bietet zwar immer wieder "blankesten Realismus" und alles, was dazugehört, versichert der Rezensent, ohne weiteres kommensurabel ist sie aber trotzdem nicht. Gut, dass der Autor selber auch Spaß versteht, meint Lehmkuhl.