Versunkene Paradiese und eisige Kontinente, Teufelsfelsen und Goldinseln. Seit jeher tauchen in den Karten der Weltmeere sagenumwobene Inseln auf, die es nicht gibt und nie gegeben hat. Doch immer wieder wurden sie zum Ziel tollkühner Expeditionen: Jahrhundertelang glaubten Seefahrer, Könige, Militärs, Piraten und Kartenmacher an ihre Existenz und suchten mit Schiffen, zu Fuß und aus der Luft nach ihnen.
Dirk Liesemer versammelt dreißig dieser imaginären Inseln und erzählt jeweils von ihrer vermeintlichen Entdeckung bis zu ihrer Widerlegung: vielfältige, kuriose Geschichten, die über alle Ozeane und quer durch die Weltgeschichte führen. So ist das Lexikon der Phantominseln nicht nur bester Ausgangspunkt für abenteuerliche Reisen im Kopf, sondern auch eine Chronik menschlicher Schwächen. Denn es geht um Machtgelüste, Hochstapelei, Kurzsichtig- keit - und sehr oft einfach nur um die Lust an der Täuschung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.09.2016
Viktor Funk hat Dirk Liesemers "Lexikon der Phantominseln" mit Begeisterung gelesen. Vergnügt liest der Kritiker in den dreißig kurzen Geschichten etwa von einem Venezianer, der sich durch erfundene Expeditionen seiner Vorfahren aufzuwerten versucht. Interessiert folgt er auch Liesemers Ausführungen über das erstmals 1844 erwähnte Maria-Theresia-Riff im Südpazifik, das mit der Begründung, seine Nicht-Existenz sei nicht erwiesen, noch heute auf Seekarten zu finden ist. Ein kluges, unterhaltsames Buch über Gier, Abenteuerlust und Forscherdrang, lobt der Rezensent, der Liesemer historisches, aber auch politisches Hintergrundwissen verdankt.
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