Angesiedelt an der Schnittstelle von Wissenschafts-, Umwelt- und Mediengeschichte zieht "Das Kosmoskop" eine weite Linie von den ersten pflanzengeografischen Karten, die im späten 18. Jahrhundert im Umkreis Alexander von Humboldts entstanden, bis hin zu einem Kartierungsboom, der die Botanik rund hundert Jahre später erfasste. Mit seinem Fokus auf die Kartenbenutzer kommt Nils Güttler zu einem erstaunlichen Ergebnis: Erst spät begannen Botaniker damit, Pflanzenverbreitung auf dem Papier zu studieren. Der Trend zur kartografischen Beobachtung wurde von Institutionen an der vermeintlichen wissenschaftlichen Peripherie forciert, etwa von kartografischen Verlagshäusern und naturforschenden Gesellschaften. Im Wechselspiel populärer und akademischer Wissenskulturen entstand so ein lebendiger grafischer Diskurs über die Geografie von Pflanzen, der unsere visuelle Kultur bis heute prägt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.01.2015
Nils Güttlers Studie über die Kartierung von Pflanzen befasst sich nicht nur mit den Anfängen der modernen Ökologie, aus der Karten heute nicht mehr wegzudenken wären, sie greift auch einige wesentliche Thesen über die Eigenlogik von Bildern an, die seit dem "visual turn" im Umlauf sind, berichtet Thomas Weber. Die Rückbindung visueller Werke an konkrete historische Praktiken, um ihre jeweilige Wirkung zu bestimmen, findet der Rezensent sehr gelungen, einzig das Abschlusskapitel, in dem Güttler über das Verhältnis von Kartografie und Macht schreibt, erscheint Weber fehlerhaft, wenn er an die Beschreibung der Effekte der unterstellten "epistemischen Überlegenheit" denkt, die etwa der Historiker Thongchai Winichakul in seiner Studie "Siam Mapped" vorgelegt hat.
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