C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN
9783406844928 Gebunden, 176 Seiten, 23,00
EUR
Klappentext
Die Geschichte eines Lebensgefühls Mit dem Ende der Siebzigerjahre begannen die großen Weltdeutungen zu bröckeln. Der Marxismus, die Erzählung vom Fortschritt durch Naturbeherrschung und andere Fortschrittsideen lösten sich langsam, aber sicher auf. Befreit von derart schweren Überzeugungen entstand ein Gefühl der Leichtigkeit und Freiheit, das alles durchdrang. Dirk von Petersdorff erzählt von diesem Lebensgefühl - und fragt sich, was daraus in der Gegenwart geworden ist. Mit dem Abschied von den großen Fortschrittsideen brach ab den späten Siebzigerjahren die Zeit einer neuen Leichtigkeit an. Damals wurde nicht nur das Denken unbeschwerter. Es wurden auch Schuhe mit Luftsohle erfunden, schnell und federnd. Statt Rouladen, die mit einem Bindfaden fixiert, mit Klößen und Rotkohl serviert wurden, aß man Salate und Müsli, und Michael Jackson tanzte den Moonwalk. In dieser Zeit ohne feste Gewissheiten entzog sich das Alltagsleben mehr und mehr der Kontrolle, die Grenzen zwischen den Ländern und die Abgrenzungen der Menschen untereinander wurden immer durchlässiger. Doch seit der Jahrtausendwende ist dieses Lebensgefühl in Bedrängnis. Autoritäre Tendenzen und neue Kriege haben zu einer überall spürbaren Verunsicherung geführt. In dieser allgemeinen Haltlosigkeit suchen wir nach sichernden Zusammenhängen. Wie lässt sich die freie Lebensweise fortführen, wie muss sie sich verändern?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.05.2026
Rezensent Hubert Winkels ist von Dirk von Petersdorffs Buch über Mentalitätsgeschichte seit den 1970ern nicht wirklich überzeugt. Es geht um eine persönliche, teils in dialogischer Form aufbereitete Rückschau auf Zeit- und Diskursgeschichte, die mit Betrachtungen übers Privatleben verknüpft ist. Petersdorff nimmt Partei für die in den 1980ern grassierende Postmoderne, vor allem Jean-François Lyotards Rede vom Ende der großen Erzählungen hat es ihm angetan, erklärt der Kritiker. In Stellung gebracht wird die Leichtigkeit der Postmoderne einerseits gegen die von Kommunismus und Fortschrittsgläubigkeit geprägte vorangegangene Zeit der siebziger Jahre, andererseits auch gegen unsere wieder von harscher Machtpolitik dominierte Gegenwart. Ziemlich biedermeierlich schaut diese Postmoderne bei Peterdorff aus, außerdem wundert sich der Rezensent, warum in der hier formulierten Diskursgeschichte das Erbe der NS-Zeit keine Rolle spielt. Diese utopisch angehauchte Suche nach dem "Weiten, Leichten, Freien" verfehlt für Winkler doch zu sehr die Wirklichkeit.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2026
Rezensent Matthias Alexander fragt sich, wieso er das Buch von Dirk von Petersdorff eigentlich lesen sollte. Als Generationenbuch der Boomer taugt das Buch laut Alexander nur insofern, als es bei den entsprechenden Lesern vielleicht Erinnerungen an die "Autoritätendämmerung" und das Verblassen der großen politischen und kulturellen Ideologien am Ende des 20. Jahrhunderts weckt. Der Rest ist Jammern auf hohem Niveau, denkt der Rezensent, wenn er Petersdorffs Erinnerungen an die eigene intellektuelle Entwicklung und die Krisen, von 9/11 über Klima- und Finanzkrise bis zu Corona und den russischen Überfall auf die Ukraine liest. Mehr als Vergegenwärtigung der Ereignisse bietet der Band nicht, bedauert der Rezensent, kein Versuch der Einordnung des Geschehens oder der Ergründung der eigenen Haltung. Dass dem Autor die Kunst als Heilmittel gegen den krisenhaften Weltenlauf dient, wie das dritte Kapitel zeigen soll, findet Alexander fein. Allein was bringt es dem Leser?
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