Die Hände zum Himmel
Über Zufall, Schönheit und den Dorfpfarrer von Gohr

Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2025
ISBN
9783462008692
Gebunden, 1024 Seiten, 40,00
EUR
Klappentext
Der Literaturkritiker und Autor Hubert Winkels hat sich für sein Lebensbuch auf eine Vielzahl von Reisen begeben: Es sind Reisen in die eigene Kindheit in ein katholisches Dorf am Niederrhein, in die Geschichte seiner Familie und in die Jahre seines intellektuellen Aufbruchs in das postmoderne, wilde Freiheitsdenken der 70er-Jahre. In die Welt der Literatur und des Kinos, der Musik und der Drogen, der religiösen Erfahrungen in all dem und in die Welt der aufklärenden Kritik. Und es sind Entdeckungsreisen in alle Himmelsrichtungen: nach Moskau und Jerusalem, nach Tokio und Paris, Brasilien und China, nach Missouri und in die Oberlausitz, auf die Künstlerinsel Hombroich, zum Amselfeld im Kosovo, nach Stonehenge und nach Delphi. Es sind Reisen in die Mythen der Antike, in die Kultur- und Kunstgeschichte und in die Museen der Welt, in die Geheimnisse der Weltreligionen, zu Reliquien, Ikonen, Kirchen und Friedhöfen, aber auch in die Welt der Ekstasen in Popkultur und Underground, Karneval, Fußball und Mode.
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Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.07.2025
Rezensent Felix Stephan scheint durchaus gut unterhalten worden zu sein von Hubert Winkels' Erinnerungsbuch. Wobei sich Stephan vor allem mit einer Eigenart des Winkels'schen Textproduktion auseinandersetzt, die auch bereits die journalistischen Arbeiten des Literaturkritikers prägte: Winkels verbindet mit Vorliebe sehr unterschiedliche Wissensgebiete und auch Zeiträume miteinander, und zwar auf engstem Raum beziehungsweise in wenigen Sätzen, so der Rezensent. Auch den Hauptgrund hierfür vermeint Stephan ausgemacht zu haben: es ist der Katholizismus, der Winkels zutiefst geprägt hat, und zwar seit seiner Kindheit, die er in der Nähe von Düsseldorf verbracht hat, die Fronleichnamsprozessionen waren womöglich ein Schlüsselerlebnis. Winkels schreibt durchaus auch über sein Leben in der deutschen Provinz, erfahren wir nebenbei, sowie seinen Werdegang von den 1960ern bis in die 1990er, wobei 68 seltsamerweise weitgehend ausgespart wird. Aber es ist doch vor allem Winkels' Bezug zur Religion, der den Rezensent an dieser autobiographischen Schrift fasziniert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2025
Eine beeindruckende Lektüre beschert Rezensent Patrick Bahners Hubert Winkels' Buch über den Glauben. Genauer gesagt schreibt der Literaturkritiker Winkels hier laut Bahners darüber, weshalb er im Jahr 2010 trotz Zweifeln nicht aus der katholischen Kirche ausgetreten ist. Er schreibt darüber sehr ausführlich, stellt Bahners klar, der allerdings der Ansicht ist, dass der Umfang des Buches angesichts der Tiefe der Gedanken gerechtfertigt ist. Gut gefällt ihm, wie Winkels über sein eigenes Leben nachdenkt, wobei verschiedene Geistliche eine Rolle spielen, ein Dorfpfarrer in der Jugend, später der umstrittene Kölner Bischof Woelki, den der Autor äußerst lebensnah beschreibt. Toll findet Bahners dieses Werk vor allem auch, weil es Körperlichkeit und Spiritualität verbindet.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 10.04.2025
Beschenkt fühlt sich Rezensentin Andrea Köhler von diesem Buch. Der Publizist Hubert Winkels breitet hier auf über 1000 Seiten in essayistischer Manier seine Biografie aus, die gleichzeitig, so Köhler, einen Überblick bietet über sogenannte Männlichkeitsthemen der letzten Jahrzehnte: Vom Fußball über Karneval bis hin zu Bart- und Mantelmoden. Es geht tatsächlich um alles und jeden hier, erzählt die Kritikerin, konkret gliedert sich das Buch in drei äußerst detailiert beschriebene Abschnitte, die sich dem Aufwachsen im Rheinland, den Reisen und Winkels' Zeit in Berlin widmen. Auch die Geistesgeschichte kommt nicht zu kurz, genauso wenig wie die Religion, mitunter ergeht sich das Buch in Aufzählungen, fährt die Kritikerin fort. Gegen Ende ihrer Besprechung kommt Köhler auf Winkels' Ausführungen zu Tod und Sterblichkeit zu sprechen, wobei der Tod einer Katze besonders viel Gewicht erhält. Insgesamt spricht aus diesem Buch jede Menge Empathie, schließt die Rezensentin.