Aus dem Slowenischen von Daniela Kocmut. Die Memoiren eines nach Australien ausgewanderten Erotomanen ziehen den Archivar Janez Lipnik in ihren Bann. Er beginnt, sich mit dessen Bekenntnissen näher zu befassen und gerät in den Strudel einer Geschichte, die im besetzten Jugoslawien der 1940er-Jahre ihren Ausgang nimmt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.03.2011
Außerordentlich knapp fällt diese darum nicht minder positive Rezension des jüngsten Romans des slowenischen Autors Drago Jancar aus. Der Held dieses Buches, ein Archivar namens Lipnik, gerät in den Strudel der Erinnerung zwischen Zweitem Weltkrieg und den brutalen Auseinandersetzungen auf dem Balkan im späten 20. Jahrhundert. Es bleibt am Ende kein Ausweg als das Erklettern des titelgebenden "Baums ohne Namen". Als Meistererzähler lobt Ingeborg Waldinger den Verfasser, als einen "Goya des Romans".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.03.2011
Dies ist der Weg zu einer gemeinsamen europäischen Erinnerung, findet Rezensent Karl-Markus Gauß. Das Buch des in Maribor geborenen Drago Jancar, der unter Tito als Linksabweichler inhaftiert und später zur führenden intellektuellen Figur seines Landes wurde, hält er für thematisch mutig, unerbittlich, formal brillant und epochal. Auch wenn Gauß die Erinnerungen der Erzählerfigur, des alten Archivars Lipnik an das dunkelste Kapitel der jüngeren slowenischen Geschichte, den Massenmord an den Domobranzen, vermeintlichen Nazikollaborateuren, nur schwer erträgt, so scheint ihm Jancars erzählerisches, kompositorisches Vermögen doch schlicht überwältigend. Im dauernden Wechsel der Erzählebenen, der Orte und Zeiten (zwischen 1943 und der Erzähgegenwart von 2000) zeigt sich der Autor für Gauß als geschickter Kompositeur eines wahrhaft orchestralen Romanwerks.
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