Durs Grünbeins Jahr in Rom hat Gestalt gewonnen in einem Zeichenbuch. Die Stadt Roma caput mundi wird als ein Schauplatz der Zeichen und Verweise erfahren und schlägt sich, wie bei den Reisenden früherer Zeiten, in Zeichnungen nieder freilich in geschriebener Form. Aus vier Kapiteln gefügt, entstand so sein opus incertum, nach dem Vorbild des altrömischen Mauerwerks aus Bruchsteinen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.11.2010
Thomas Steinfeld hat seine Schwierigkeiten, dem Dichter Durs Grünbein durchs Stipendiatenjahr in Rom zu folgen. Allzu beflissen ergriffen erscheint ihm Grünbein und in dieser Mission selbst vor Indiskretionen nicht gefeit. Ob er Juvenal übersetzt oder nachahmt oder bloß seiner Frau beim Feilschen zusieht, immer knapp am Esoterischen vorbei geht das. Dass allzu inflationär das unpersönliche Pronomen "man" auftaucht, irritiert Steinfeld nicht weniger. Zum Glück findet er eine gute Erklärung: Des Dichters existentielle Unsicherheit angesichts der Ewigen Stadt und der römischen Antike. Ausgerechnet dieser merkwürdig unpersönliche Sound also macht ihm das Buch letztlich lebendig. Und Momente, da der Dichter, wie Juvenal, von der Freude am Berichten und dem zu Berichtenden roh ergriffen und mitgerissen wird.
Sehr gern mochte Rezensent Andreas Nentwich diesen in Rom entstandenen Gedichtband von Durs Grünbein. So gut Grünbein dies könne, habe er hier den "Panzer des Bildungsdichters" abgeworfen und auf den Gestus des Staatsdichters verzichtet, freut sich Nentwich, der stattdessen einen unbeschwerten Dichter erlebt hat, der sich durch Rom treiben lässt und pflückt, was ihm am Wegesrand begegnet. 53 langzeilige Gedichte sind dabei herausgekommen, informiert Nentwich, die Übersetzung und essayistische Deutung einer Juvenal-Satire sowie verschiedene, mitunter wild fantasierte Prosastücke. Neben "tollkühnen Analogien" und weit gereister Wortbilder" hat der Rezensent dem Band auch ein interessantes Bekenntnis entnommen: Nur nicht sein wie Horaz, der alles richtig mache und den Grünbein als den "römischen Thomas Mann" bezeichnet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2010
Eine Zumutung! Gereizt reagiert der Rezensent Ernst Osterkamp schon gleich angesichts des kalauernden Titels. Das soll ein Buch des bedeutenden Lyrikers Durs Grünbein sein? So ist es wohl, wenn Osterkamp es auch kaum fassen kann. Die Kraft der Intimität in Verse gegossen sucht er hier vergebens. Rom? Nirgends. Bildungsbürgerliche Preziosen höchstens, masskonfektionelle Reiseführerprosa mit Zeilenbruch meistens. Wozu überhaupt Verse, wenn immer der gleiche nachlässige Plauderton herrscht!, schnaubt der Rezensent. Das kommt, weil Osterkamp seinen Durs auch anders kennt. Aber das scheint schon lange her.
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