Seit dem 11. Jahrhundert war die europäische Stadt Motor der europäischen Geschichte. Sie war das Reich der Vernunft, in dem der Mensch - in Abgrenzung zur Natur - zur Selbstbestimmung, zur Freiheit finden konnte. Und sie war ein Übungsplatz, Konflikte auszutragen und Geduld im Umgang miteinander zu finden. Vielfalt, Unberechenbarkeit, gesellschaftliche Dynamik schaffen aber auch Unsicherheiten. Zum Lob der Stadt gehörte deshalb stets die Angst vor der Stadt. Der Historiker Eberhard Straub resümiert in seiner Streitschrift die Entwicklung der Stadt und zeigt, wie durch das inzwischen übermächtige Sicherheitsstreben die Freiheit in den Städten eingeschränkt wird und das Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit aus dem Gleichgewicht gerät. Und wie schließlich mit der Forderung nach einem städtischen Leben im Einklang mit der Natur sich der Begriff von Urbanität fundamental wandelt. Ist das Ende der europäischen Stadt in Sicht - und mit ihm der Untergang freiheitlicher Traditionen?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.12.2015
Michael Mönninger freut sich sichtlich über so viel Niveau bei Eberhard Straub. Wie der Historiker in seinem Buch urbanes Zusammenleben beschreibt, jenseits von sozialwissenschaftlichem Krisengerede und philologischer Langeweile, dafür im großen Bogen, beginnend im Orient, und mit Fantasie, hat Mönninger vor Augen geführt, dass echtes urbanes Leben noch jedes Fremde assimiliert. Auch wenn der Autor mitunter Konflikte im städtischen Leben ausblendet und die Stadt gemäß seiner These als moralische Anstalt begreift, als unterhaltsame Stadtgeschichte hat das Buch den Rezensenten überzeugt.
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