Die Studien zum genderneutralen Maskulinum gehen vom Epikoinon aus, das ungeachtet seines maskulinen, femininen oder neutralen Genus Personen aller Geschlechter und Gender bezeichnet ('der Mensch', 'die Koryphäe', 'das Genie'), weil seine Bedeutung sexusindifferent ist. Der einzige Unterschied der genderneutralen Maskulina wie 'Leser' ("viele Leser der Romane Thomas Manns sind Frauen") zu den Epikoina besteht darin, dass es zu ihnen Ableitungen mit ausschließlich spezifischer Sexusbedeutung ('Leserin') gibt. Die Existenz spezifischer Ableitungen ist die Grundlage des Postulats feministischer Linguistik, dass auch deren Basen nur eine geschlechtsspezifische Bedeutung hätten, und zwar 'männlich'. Dem widersprechen die seit Beginn der Überlieferung des Deutschen belegten empirischen Fakten, die sich in Neutralisierungstheorien wie der Roman Jakobsons spiegeln. Vor diesem Hintergrund wird die feministische Argumentation methodisch analysiert und auf ihre ideologischen Grundlagen zurückgeführt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2023
Rezensent Wolfgang Krischke räumt ein, dass Eckhard Meinekes Buch Germanistenlektüre ist. Voraussetzungs- und anspruchsvoll selbst für linguistisch vorgebildete Leser sei, was der Sprachhistoriker an Fakten und linguistischen, philosophischen und politischen Argumenten in der Genderlinguistik vorlege. Meinekes Kenntnis der entsprechenden Literatur sei enorm, so Krischke. Gut, dass es dem Autor nicht um Spitzfindigkeiten zu tun ist, sondern um (genderlinguistische) Stichhaltigkeit in der Debatte bzw. im realen Sprachgebrauch, findet der Rezensent.
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