Interpunktionsregeln sind eine spezifische Form der Sprachanalyse; sie operieren mit sprachlichen Kategorien (z. B. 'Text', 'Satz'), und sie müssen auf Anwendungskontexte bezogen werden (z. B. auf grammatische oder semantische Konstellationen). In dieser Studie wird die Entwicklung dieser Sprachanalyse im deutschen Sprachraum verfolgt, wobei die antike Lehre als dominierender Ausgangspunkt gewürdigt wird. Besondere Aufmerksamkeit wird der Genese zentraler analytischer Konzepte gewidmet (etwa 'Rede', 'Periode' und 'Satz'). Diese Entwicklungen werden im Kontext der allgemeinen Linguistikgeschichte betrachtet. Zudem wird der Einfluss anderer Disziplinen reflektiert, also Impulse aus Gebieten wie Rhetorik, Stilistik, Poetik, Musiktheorie, Logik und Philosophie. Darüber hinaus werden diese Wandlungen kulturhistorisch verortet. So hat der 'Geist des Barock' in der deutschen Interpunktionslehre ebenso seine Spuren hinterlassen wie der Sturm und Drang oder der Deutsche Idealismus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.11.2017
Für Wolfgang Krischke schließt der Germanist Karsten Rinas mit seinem Buch eine Lücke. Für mehr als einen Gedankenstrich hält er Rinas' Bemühungen um eine Geschichte der deutschen Interpunktionsregeln, ihrer Theorie und sprachpolitischen Hintergründe. Dass sich der Autor für seine laut Krischke gut gegliederte Darstellung auf Grammatiken, Stil-Ratgeber sowie auch auf Quellen aus Rhetorik, Poetik, Recht und Theologie stützt, scheint dem Rezensenten sinnvoll. Ist der Gedankenstrich ein Vorläufer des Emoticons? Laut Rinas ist das möglich, staunt Krischke. Über Rinas' kritische Sicht des Dudens scheint er sich besonders zu freuen.
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