Eduardo Mendoza

Niemand im Damensalon

Roman
Cover: Niemand im Damensalon
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783518413234
Gebunden, 364 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Peter Schwaar. Da steht er vor dem Gitter der ehrwürdigen Irrenanstalt, die der Bauspekulation weichen soll, und ist frei. Vogelfrei. Das Leben hat ihn nicht übermäßig begütert, einen vorweisbaren Namen hatte ihm schon die Mutter nicht vermacht, und Papiere, Habseligkeiten, Pläne hat er keine. So marschiert er zu Fuß ins postolympische Barcelona, ein Niemand. Gut, dass seine Schwester Candida, eine Zierde ihres Geschlechts und Namens, erstes Obdach und einen Schwager offerieren kann, der als philosophierender Friseur nur allzu froh ist, ihm seinen Damensalon zu überlassen. Tage und Jahre der stillen Einkehr. Da betreten eines Tages zwei wohlgerundete Beine seine Arbeitsstätte, und die sorgsam gehegte Flaute hat ein Ende. Die junge Dame schlägt ihm ein Geschäft vor, soviel wird ihm rasch klar, aber die Leiche, die noch in derselben Nacht anfällt, war nicht vorgesehen....

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2003

Eines zeigt dieser Roman eindrucksvoll - und es handelt sich dabei, meint jedenfalls der Rezensent Florian Borchmeyer, durchaus um eine neue Erkenntnis - Katalonien ist das "Mutterland der Vetternwirtschaft". Dieser Krimi demonstriert es an seinem zunächst als irre deklarierten, dann kurz als Damenfriseur Karriere machenden und zuletzt in wüste Verstrickungen im Innersten der katalonischen Korruption geratenen Helden namens Niemand. Der wird, nolens volens, zum Detektiv, wühlt sich durch Leichenberge und trägt den Sieg gegen die ganze Bande davon. Der Humor des Buches, man ahnt es schon bei der Zusammenfassung, ist "teils hintergründig, teils skurril und karikaturesk überzogen". Und der Rezensent scheint seinen Spaß gehabt zu haben.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.08.2002

Besser geht's nicht: Man kann die Begeisterung förmlich spüren, mit der Albrecht Buschmann Eduardo Mendozas "köstlich schräges Barcelona-Portrait" gelesen hat. Ein namenloser Irrer ermittelt unfreiwillig in Sachen Mord in einer irren Stadt, aus diesen Ingredienzien entwickelt Mendoza ein laut Buschmann höchst delikates Menü, spannend und ganz nebenbei gesellschaftskritisch, etwa wenn es die Handlung in das Milieu der Politiker und Spitzenmanager verschlägt: "Ein jeder erpresst und unterschlägt, dass es eine Art hat, und mittendrin unser Irrer, der seine Unschuld beweisen will." Was dieses Buch aber wirklich ausmache, sei die Sprache, konstatiert Buschmann, und die sei etwas für Genießer, "in barocker Pracht strömen die Satzkaskaden, verlieren sich in aberwitzigen Verschränkungen, ein Witz nach dem anderen perlt über die Seiten". Buschmann lobt die "brillant" gelungene Übersetzung, die den Sprachwitz Mendozas unbeschadet ins Deutsche hinüberrettet. Buschmann sieht in Mendoza in einer Linie mit Lazarillo und den Vertretern des spanischen Schelmenromans, eine ehrwürdige Ahnenlinie, und so erfahre Mendozas "rasanter Irrwitz" noch die das Ganze krönende Portion "poetische Tiefe".
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