Egon Gramer

Zwischen den Schreien

Roman
Cover: Zwischen den Schreien
Piper Verlag, München 2007
ISBN 9783492050388
Gebunden, 304 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Ein hoher lauter Schrei, der nicht aufhören wollte. Daran konnte sich Georg noch ein halbes Menschenleben später erinnern. Sein Gesangbuch damals war voller Sterbebildchen gewesen. Elfuhr­läuten im Dorf und die schwarzen Kleider seiner Mutter blieben für immer in seinem Kopf. Georg wollte einfach nur weg, und weshalb sollte er nicht ins Internat? Dort erwarteten ihn der Prior und der junge Lateinlehrer, die ihm vom Punischen Krieg erzählten, aber eigentlich El Alamein und den Wüstenfuchs meinten. Sie rauchten während des Unterrichts, und ihre Hände zitterten. Georg ahnte bald, dass hier niemand ins Leben hinaustreten wollte, und fragte sich, wohin es für ihn gehen würde. - In der Enge eines Internats spiegelt Egon Gramer die stille Verzweiflung und den Schmerz der bundesrepublikanischen Gründerjahre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.07.2007

Mit seinem späten Debüt "Gezeichnet: Franz Klett" hat der damals bereits siebzigjährige Egon Gramer, nicht zuletzt dank des nachdrücklichen Hinweises durch Martin Walser, vor wenigen Jahren für einiges Aufsehen gesorgt. Auch Martin Halter war vom Erstling offensichtlich beeindruckt. Mit dem nun vorliegenden zweiten Roman kehrt Gramer wieder in die fünfziger und sechziger Jahre der Bundesrepublik zurück. Er erzählt aus der Sicht eines Jungen vom Vater, der angeschlagen aus dem Krieg zurückkehrt, in den Wirtschaftswunderjahren jedoch erfolgreich ist. Einerseits ist, wie Halter feststellt, das Talent Gramers, in knappen "Schlaglichtern" und einer "krafvollen, lakonischen Sprache" eine ganze Zeit zu "beschwören", auch im zweiten Roman nicht zu übersehen. Andererseits fehle es diesmal merklich an der im Debüt so überzeugenden Distanz zum Geschehen. Es ist dies aber, scheint es, ein eher leiser Vorbehalt gegen ein Buch, das Halter insgesamt offenbar gerne gelesen hat.
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