Ekkehart Krippendorff

Lebensfäden

Zehn autobiografische Versuche
Cover: Lebensfäden
Graswurzelrevolution Verlag, Heidelberg 2012
ISBN 9783939045199
Broschiert, 476 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Ekkehart Krippendorff, 1934 geboren, emeritierter Professor der Freien Universität Berlin, darf von sich behaupten, der erste ausschließlich politikwissenschaftliche Student und Promovend in Deutschland zu sein. Er hat als kleiner Junge die Kriegsjahre miterlebt, war 1960 bis 1963 als Fulbright-Stipendiat Augenzeuge der Aufbruchsjahre in den USA und wurde Mitbegründer der deutschen Friedensforschung. Mit seinem Rauswurf aus der FU 1965 begann die deutsche Studentenbewegung, zu deren Sprechern er 1968 gehörte. Krippendorff hat bei Goethe einen Hinweis gefunden, der ihn dazu ermutigte, sein Leben exemplarisch zu entflechten, Fäden thematisch herauszuziehen und als Erzählungen mitzuteilen: "Das Gewebe unseres Lebens und Wirkens bildet sich aus gar verschiedenen Fäden, indem sich Notwendiges und Zufälliges, Willkürliches und Rein-Gewolltes, jedes von der verschiedensten Art und oft nicht zu unterscheiden, durcheinanderschränkt" (Dichtung und Wahrheit). Aus dem, was Ekkehart Krippendorff selbst bei seinem Rückgang in die eigene Geschichte entdeckte oder erinnerte, sind zehn in sich geschlossene und zugleich "durcheinandergeschränkte" Autobiografien, eben "Lebensfäden", geworden: Krieg, Theater, Universitäten, Nazismus, Amerika, Juden, Italien, DDR, Musik, Religion - und ein historischer Epilog, der die bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgbare Familiengeschichte als Mikro-Spiegel deutscher Geschichte lesbar macht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.07.2012

Für Willi Winkler hebt sich die Autobiografie des Politologen Ekkehart Krippendorff glänzend von den in seinen Augen meistenteils "banalen" oder belanglosen Akademiker-Lebensbeschreibungen ab und bietet das Bild eines bewegten Lebensweges in der deutschen Nachkriegszeit. Und so schreitet der Rezensent ziemlich ausführlich noch mal die Stationen dieser Lebensfäden ab, die der Autor in thematisch geordneten Kapiteln auslegt: über die angepasste Kindheit in der Nazizeit, seine Theaterleidenschaft, seine Augen öffnende Amerika-Erfahrung und seine Schwierigkeiten in der akademischen Welt wegen seiner politischen Haltung. Insgesamt ergibt sich so ein geradezu "klassisch" anmutender "Bildungsroman", findet Winkler, den die zurückgelegte Lebensreise auch als "alternative Geschichte" Nachkriegsdeutschlands enorm fesselt.

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