"Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt"
Überall in Berlin finden sich Orte, die Schauplätze von Revolten waren: der Studentenbewegung im Westen, der Oppositionellen im Osten, der Feministinnen, Hausbesetzer und Punks in beiden Teilen der Stadt. So sehr sich die Reaktionen der jeweiligen Staatsmacht auf die jungen Rebellen beiderseits der Mauer auch unterschieden, überraschend ähnlich waren die Motive und der Mut der Menschen, die gegen überholte Ordnungen und Autoritäten aufbegehrten. Michael Sontheimer und Peter Wensierski erzählen die jüngere Geschichte einer aufsässigen Metropole anhand von Wohnungen, Häusern, Straßen und Plätzen. Gestützt auf umfassende Recherchen und Gespräche mit den Beteiligten, lassen sie eine Topographie der Revolte entstehen, die zum Flanieren, Entdecken und Staunen einlädt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.06.2018
Kritische Analysen werde man in diesem Band vergeblich suchen, schickt Rezensentin Isabell Trommer ihrer Besprechung vorweg, doch der Wert des Bandes liegt ihrer Ansicht auch in etwas ganz anderem: Die beiden Journalisten Michael Sontheimer und Peter Wensierski besichtigen die Erinnerungsorte, die 1968 und die Folgen in Berlin hinterlassen habe: das SDS-Zentrum auf dem Kurfürstendamm, den ersten Kinderladen in der Kopfstraße, Bärbel Bohleys Wohnung in der Fehrbelliner Straße, die taz in der (heutigen) Rudi-Dutschke-Straße. Dichte Beschreibung findet die Rezensentin in diesen Reportagen aus zum Teil untergegangenen Milieus, manche Geschichte wie die um die Besetzung des Linné-Dreiecks erscheinen ihr heute unfassbar. Nur warum die Autoren am Ende bedauern, dass heute keine kritischen Geister mehr nach Berlin kommen, sondern nur noch Karrieristen oder die wohlhabenden Söhne und Töchter aus Stuttgart, München und Düseldorf, versteht die Rezensentin nicht.
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