Für ein Mädchen aus Kasachstan hat Alina einen auffälligen Nachnamen: Schmidt. Ihrem Paß nach ist sie "Nemka", eine Deutsche, doch die Sprache ihrer Vorväter spricht sie nicht. Dafür stellt sie neugierig Fragen: Was ist das für ein Messer unter dem Kopfkissen ihres Großvaters? Was bedeutet "Igarka, 1956" auf dem alten Foto? Während Alinas Eltern ihre Zukunft in Deutschland sehen und seit vielen Jahren auf die Genehmigung zur Ausreise warten, bringt das Mädchen den Großvater dazu, über seine Vergangenheit zu reden. Allmählich beginnt Alina zu verstehen, daß er keineswegs ein Kriegsheld war und in Sibirien nicht nur geangelt hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2005
Eberhard Rathgeb hat dieser "kleine" autobiografische Roman der aus Russland stammenden Eleonora Hummel gut gefallen. Hummel, 1970 in Kasachstan geboren, ist Russlanddeutsche und wie die Erzählerin ihres Romans zunächst in den russischen Norden gezogen, aber nicht, wie der Rezensent berichtet, "um dort Wurzeln zu schlagen", sondern um von dort endgültig nach Deutschland umzusiedeln. Von den Jahren des Wartens erzählt der Roman, den Rathgeb für sehr "gelungen" hält, in einer "floskellosen" Sprache. Hummels autobiografischer Bericht sei von den Erinnerungen des Großvaters, der Jahre in sibirischen Arbeitslagern zugebracht hat, durchsetzt, eine wahre Leidensgeschichte, die von der nicht klein zu kriegenden Hoffnung des Vaters auf die Umsiedlung nach Deutschland konterkariert wird, beschreibt Rathgeb die Vorgehensweise der heute in Dresden ansässigen Autorin, die bereits mehrere Literaturpreise erhalten haben soll.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.03.2005
Rezensent Hauke Hückstädt würde sich nicht wundern, wenn Eleonora Hummel künftig ihr Leben nicht mehr als Fremdsprachensekretärin, sondern allein als Autorin bestreiten würde. So "fein", klar und "stark ohne Muskelspiel" ist ihr Romandebüt nämlich, in dem sie sich einem "schweren Stoff" widmet - den Massenübersiedlungen von Russlanddeutschen nach Deutschland. Im Mittelpunkt der Erzählung steht die kleine Alina aus Kasachstan, dem Pass nach Deutsche, deren Familie bald ausreisen will. In Gesprächen mit ihrem Großvater "enträtselt" sie nach und nach die Geschichte ihrer Familie, erahnt die Tragödien der Deportationen. In "einfachen Sätzen" und "intimen", aber keineswegs "nackten" Szenen führe die Autorin, ebenfalls in Kasachstan geboren, den Leser in eine Zeit, deren "wimmerndem Ton" man sich nicht entziehen kann. Und das, obwohl Hummel eher "untertreibt", die Schrecknisse nicht direkt ausdrückt, dabei aber dennoch eine Geschichte geschrieben hat, die den Leser "ohne Trost" zurücklässt.
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