Die Wiener Dichterin Elfriede Gerstl zählt zu den Größen der österreichischen Literatur nach 1945. Ihr schmales und in verschiedenen Verlagen und Medien erschienenes Werk soll mit dieser Werkausgabe in all seinen Facetten und in seinem ganzen Umfang sichtbar werden und die Singularität dieser "Untertreibungskünstlerin" (Wendelin Schmidt-Dengler) dokumentieren. Die vierbändige Gesamtausgabe folgt chronologisch den publizierten Büchern, wobei die Mischung der verschiedenen Gattungen, von Lyrik bis Essay und Hörspiel, eben Elfriede Gerstls Poetik des Albums, beibehalten wird. Jeder Band enthält einen ausführlichen Kommentar zur Entstehung und Publikationsgeschichte der einzelnen Texte, Fotos und Materialien aus dem entsprechenden Zeitraum, der letzte Band darüber hinaus eine umfassende Würdigung ihres Schaffens und ihrer Persönlichkeit.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.08.2012
Als Entwicklungsgeschichte des literarischen Betriebs ex negativo möchte Rezensentin Hannelore Schlaffer die geplante vierbändige Werkausgabe mit Texten der österreichischen Schriftstellerin Elfriede Gerstl lesen. Dass Gerstl sich dem Trend zur subventionierten Literatur entgegenstellte, weiß Schlaffer und hört es auch aus den Texten, die der erste Band vereinigt. Für Schlaffer eher Aphorismen und Epigramme denn Gedichte. Eine kleine Literatur jedenfalls der Avantgardistin und Feministin, voller Ironie und Selbstironie und gegen den hohen Ton, das große Werk, aber auch gegen die Politisierung der Kunst, wie Schlaffer erklärt. Dazu zersetzt die Autorin Wortsinn und Grammatik. Eine gute Gelegenheit, meint Schlaffer, um diese Autorin dem Vergessen zu entreißen.
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