Elif Shafak

Das Flüstern der Feigenbäume

Roman
Cover: Das Flüstern der Feigenbäume
Kein und Aber Verlag, Zürich 2021
ISBN 9783036958637
Gebunden, 512 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Michaela Grabinger. Die jungen Liebenden Defne und Kostas dürfen sich nur heimlich treffen - sie ist Türkin, er Grieche, es herrscht Bürgerkrieg auf Zypern. Als sie durch die Unruhen getrennt werden, ahnen sie nicht, dass sie Jahre später wieder vereint werden. In einem neuen Leben, auf einer neuen Insel. Die Booker-Prize-nominierte Autorin Elif Shafak verwebt die Vergangenheit mit der Gegenwart und erzählt in diesem tiefschürfenden und zarten Roman über Zugehörigkeit und Identität, Schmerz und Hoffnung.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 02.12.2021

Rezensent Ingo Arend empfiehlt den neuen Roman von Elif Shafak mit Einschränkungen. Ein wenig kitschig erscheint ihm die "bittersüße Liebesgeschichte" schon. Die Autorin erzählt in diesem Buch aus verschiedenen Perspektiven, unter anderem aus der eines Feigenbaums, von der verbotenen Liebe zwischen einem Griechen, Kosta, und einer Türkin, Define, die sich gemeinsam mit anderen im bürgerkriegsgeprägten Zypern eher unkonventionellen Liebenden im Lokal "Die glückliche Feige" treffen, erläutert Arend. Die Liebenden werden dem Rezensenten zufolge zwar zwischenzeitlich getrennt, finden letztendlich aber doch zueinander, leben in London und pflanzen dort einen Ast der Feige aus dem Lokal in den Garten, die dann beobachtet, wie die Tochter nach Defines Tod vor dem Hintergrund des Familiengeheimnisses aufwächst. Durch die Perspektive werde das Buch auch zu einem "Roman im Bann des Anthropozän", meint Arend. Spannung, Märchenelemente und große Themen wie Flucht und Krieg trösten den Kritiker über einige Schwächen hinweg.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.10.2021

Für Rezensentin Irene Bibal ist "Das Flüstern der Feigenbäume" einer der schönsten Romane Elif Shafaks. Die Autorin erzählt darin von der, wegen politischer Spannungen in Zypern 1947 heimlichen Liebe zwischen der türkischen Define und dem griechischen Kostas, die sich nur im Lokal "Die glückliche Feige" sehen können, einem Treffpunkt, der ein Miteinander trotz Unterschieden erlaubt und in dessen Mitte ein prachtvoller Feigenbaum steht, erklärt Binal. Auch die Feige tritt in einer weiteren Erzählebene der Rezensentin zufolge als eine "redselige Protagonistin" auf, die nach einem Zeitsprung dreißig Jahre in die Zukunft im Garten der kürzlich verstorbenen Define und dem nun alleinstehenden Kostas trotz der Phantastik ungemein klar und authentisch über deren Geschichte, aber auch über das Verhältnis von Mensch und Natur sinniert. Alles in allem empfindet Binal den Roman als "ungemein reichhaltig" und sie erkennt durchaus die Aufforderungen der Autorin nach Offenheit und Verständnis, die ihre Position als "Anwältin der Gemeinsamkeit" noch stärker verdeutlichen.
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