Mit einem Vorwort von Alfred Grosser. Aus dem Französischen von Joseph Phillips. Die Regierungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben die Verhandlungen mit der Türkei mit dem Ziel eines Beitritts eröffnet. Es fehlte an einer öffentlichen Debatte über die Grundlage dieses Beitritts, damit wurden demokratische Prinzipien verletzt. Weit schlimmer sind aber die Versprechungen, die den Türken gemacht wurden, weil die EU-Bevölkerung kaum gewillt ist, sie zu halten. Haben die Regierenden und die Kommission das Signal vernommen, das von den beiden negativen Referenden im Frühjahr 2005 in Frankreich und den Niederlanden ausging? Ihr Verhalten fordert den gesunden Menschenverstand heraus. Vor allem so lange die Türken sich weigern, einen der 25 Staaten der europäischen Familie, nämlich Zypern, anzuerkennen, und so lange sie diejenigen mundtot machen, die die Wahrheit über den armenischen Genozid verkünden. Es ist die Aufgabe Frankreichs im Laufe der Beitrittsverhandlungen bei den Verhandlungspartnern der Europäischen Union das Bewusstsein auszulösen, dass es nie zu spät ist, die demokratischen Prinzipien zu respektieren und dem Geist der europäischen Einheit treu zu bleiben.
Mit ihrer "Streitschrift" gegen den EU-Beitritt der Türkei liege die Pariser Politologin Sylvie Goulard ganz auf einer Linie mit der aktuellen Europa-Politik ihres Landes, konstatiert Michael Mönninger. Einstmals visionärer Verfechter einer Türkei-Mitgliedschaft, habe sich Frankreichs Regierung seit dem gescheiterten Verfassungsreferendum vom 29. Mai 2005 ernüchtert auf Pragmatismus und Realpolitik verlegt. Gleichwohl könne laut Mönninger keine Rede davon sein, die Ablehnung der Verfassung sei allein der Türkei-Frage geschuldet, wie es die Autorin nahelege. Vielmehr sei das Scheitern hausgemacht und Ergebnis der "zynischen Strategie" des sozialistischen Parteiführers Laurent Fabius. Da sich Goulard nicht aus diesen Zusammenhängen zu lösen vermag, bleiben die sachlichen Einwände gegen einen Beitritt, von Verstößen gegen die Religionsfreiheit bis zur Unterdrückung der Frauenrechte, für den Rezensenten einseitig und befürwortende Stimmen ungehört. So komme es, dass die Autorin unfreiwillig eine Kritik der EU und nicht der Türkei geschrieben habe, spottet der Rezensent, und unterstellt den Türkei-Gegnern einen "Geschichtspessimismus", der darauf hinauslaufe, die genuin "werbende Idee" einer europäischen Gemeinschaft zu unterminieren.
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