Elisabeth von Thadden

Die berührungslose Gesellschaft

Cover: Die berührungslose Gesellschaft
C.H. Beck Verlag, München 2018
ISBN 9783406727825
Gebunden, 205 Seiten, 16,95 EUR

Klappentext

Ist unsere Gesellschaft "unterkuschelt", wie es jüngst in der "taz" hieß? Dieses Buch fragt, was Berührung heute bedeutet und beschreibt das Dilemma des spätmodernen Menschen: Er braucht körperliche Nähe und will doch vor Verletzungen geschützt sein. Eine Berührung kann elektrisieren und wohltuend sein. Sie vermittelt Nähe und Geborgenheit, aber sie kann auch bedrohen, sie kann verwunden, und man kann sich vor ihr ekeln. Menschen brauchen Berührungen, um zu gedeihen. Aber indem sie sich für andere öffnen, sind sie auch verwundbar. Elisabeth von Thadden zeigt die Ambivalenzen des modernen Versprechens auf Unversehrtheit und des spätkapitalistischen Strebens nach dem perfekten Körper. Dass Körperverletzungen und ungewolltes Berühren heute endlich geahndet werden, ist eine große Errungenschaft. Doch wo früher erzwungene Nähe war, droht heute die selbstbestimmte Einsamkeit, in der digitale Welten den direkten Kontakt ersetzen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.12.2018

Sind wir tatsächlich "unterkuschelt", wie es in einigen Artikeln derzeit nahegelegt wird? Dieser Frage geht die Journalistin und Autorin Elisabeth von Thadden in ihrem Buch "Die berührungslose Gesellschaft" nach. In Zeiten von Whatsapp, Instagram und Youporn liegt es durchaus nahe, darüber nachzudenken, ob der technische Fortschritt auch eine "digitale Distanz" mit sich bringt, findet Rezensent Tobias Seldmaier. Von Thadden tut dies, indem sie verschiedene Ansätze wie z.B. Interviews, literarische Analysen und einen Abriss der Ideengeschichte miteinander kombiniert, erklärt Sedlmaier. Einige ihrer aus diesem Vorgehen resultierenden Antworten sind durchaus aufschlussreich, andere erscheinen dem Rezensentin eher angedeutet und oberflächlich behandelt. Alles in allem ist es jedoch ein anregendes Buch, so Sedlmaier. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2018

Rezensentin Hannah Bethke hat viel Stoff zum Nachdenken gefunden in diesem Buch ihrer Journalistenkollegin Elisabeth von Thadden, die das Gefühlsleben in der digitalen Habitat erkundet. Denn mit dem Smartphone werden Nähe und Distanz, Kontakt und Berührung, Kontrolle und Verfügbarkeit neu austariert. In Bethkes Zusammenfassung liest sich das ein wenig unzusammenhängend: Es geht um Tastsinn und Hauthunger, um Autonomie und Verletzlichkeit, um Reizüberflutung in den Städten. Aber auch die Rezensentin selbst moniert bei Thadden eine gewisse methodische Unentschiedenheit: Journalistische Beschreibungen gehen in Ansätze einer Gesellschaftsanalysen über, die wiederum in die Wiedergabe von Expertengesprächen verpuffen. Doch am Ende reichen Bethke die gewonnenen Einsichten über die Berührung, um über die Schwächen hinwegzusehen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 11.12.2018

Katharina Granzin fühlt sich wohl beim Lesen von Elisabeth von Thaddens Feuilletons zum Thema Berührung, die die Autorin im Spannungsfeld zwischen Sehnsucht und Schmerz entwickelt. Entspannt im Gestus, ohne tiefschürfende Analyse, dafür lesbar, befragt die Autorin laut Granzin Tastsinnforscher, Masseure, kulturwissenschaftliche und historische Monografien oder den Pflegebericht der Bundesregierung über körperliche Pflege und körperliche Gewalt und kommt zu dem Schluss, dass wir es hierzulande eigentlich ganz gut haben in Sachen Berührung beziehungsweise Nicht-Berührungs-Geboten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2018

Am Ende entnimmt Meredith Haaf diesem Buch von Elisabeth von Thadden Anregendes zu Fragen von Nähe, Körperkontakt und dem Willen zur Unverletzlichkeit. Haaf lernt dabei eine Sozialpsychologin kenne, die zu körperloser Anwesenheit (Skype) forscht, oder einen Tastsinn-Experten, der mit Menschen arbeitet, die häufiger einen Touchscreen berühren als die Haut eines anderen Menschen. Dennoch ist sie von dem Buch enttäuscht. Zu viel klingt in ihren Ohren provinziell und altbacken, zu wichtig nehme die Autorin ihre eigene Spurensuche und zu oft belasse es Thadden bei ungefähren Diagnosen des Unbehagens oder des Zwiespalts, wie Haaf recht scharfsinnig bemerkt: "Selten lässt sich darüber viel mehr sagen, als dass sie der Fall sind."

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