Nach Jahrzehnten der Zurückhaltung präsentiert sich die Volksrepublik China heute als selbstbewusste Weltmacht. Dieser beispiellose Aufstieg wäre ohne die rasante gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung kaum denkbar. Dabei gibt der ordnungspolitische Rahmen bis heute Rätsel auf. In der Verfassung ist eine "sozialistische Marktwirtschaft" festgeschrieben, eine bürokratisch autoritäre Ordnung, in der der Staat und damit die Kommunistische Partei die Regeln vorgeben. Die Staats- und Parteiführung betont zudem verstärkt die nationale Sonderstellung Chinas als Gegenmodell zu den liberalen Gesellschaften des Westens und treibt gewaltige Entwicklungsprojekte voran, die auf politische Dominanz abzielen. Der Autor analysiert die aktuelle Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung und legt deren Wertefundament offen. Damit wird das kritische Nachdenken über die Ordnungsethik westlicher Ökonomie und ein verantwortbares Verhalten gegenüber China angeregt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2023
China ist auf der wirtschaftlichen Ebene Deutschlands einziger "systemischer Rivale", erfährt Rezensent Joachim Starbatty im Bericht der Bundesregierung zur deutschen Chinastrategie. Mit dem Buch des katholischen Theologen Elmar Nass kann er der Frage auf den Grund gehen, was das genau bedeutet. Die "sozialistische Marktwirtschaft" Chinas funktioniert nach dem Prinzip eines Vogelkäfigs: Der Vogel (die Wirtschaft) soll kräftig wachsen und gedeihen, der Käfig (die Partei) darf sich aber nie öffnen und den Vogel wegfliegen lassen, lesen wir. Die Partei unterstreiche mit wirtschaftlichem Aufschwung und Wohlstand ihre Regierungsberechtigung, dafür kaufe China sich vor allem in Projekte ein, die nicht wie bei der EU an menschen- und sozialrechtliche Bedingungen geknüpft seien. Starbatty liest bei Nass auch den Appell an den Westen, sich China mehr zu nähern und zu versuchen, etwa aus dem "Projekt Seidenstraße" eines zu machen, das für alle Beteiligten Vorteile bietet. Zudem, so liest der Kritiker, sollte mehr Geld und Aufmerksamkeit in die Wissenschaftsdisziplin der Sinologie gesteckt werden - ihm, so lässt sich zwischen den Zeilen lesen, wäre das wichtiger als Geschlechterforschung.
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