Seit Bundeswirtschaftsminister Karl Schiller hält sich unter deutschen Politikern hartnäckig der Irrglaube, durch eine regulatorische Ordnungspolitik könne man die Wirtschaft erfolgreich steuern. Die Folge sind meterdicke Regelwerke und Gesetze, die oftmals das genaue Gegenteil von dem bewirken, was sie erreichen sollen. Einsparungen, die letztlich mehr Geld kosten, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die Jobs vernichten mit schöner Regelmäßigkeit stellen deutsche Politiker die Unsinnigkeit ihres eigenen Tuns unter Beweis. Bernd Ziesemer führt die Auswüchse dieses Irrglaubens vor, von denen Lasthandhabverordnungen für Bierkästen und Mehrwertsteuersätze auf Esel und Maultiere nur die kuriosesten sind, und zeigt, dass die Ordnungspolitik des Staates diesen selbst schädigt und auf Dauer zerstören kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 04.04.2007
Rezensent Mario Scalla zeigt sich enttäuscht und ungnädig zugleich, denn der Autor habe ein lohnendes Thema verschenkt und zur neoliberalen "Selbsterbauung" missbraucht. Dabei nehme er einige Korrekturen an der üblichen Geschichtsschreibung des zwanzigsten Jahrhunderts vor, beispielsweise, wenn er die Wirtschaftswunderzeit zur Brutzeit von Krankheiten wie "Wohlfahrtsstaat" umdeute. Gerade das soziale Füreinander sei aus Sicht des Autors in dieser Zeit degeneriert, weil man den Staat für zuständig erklärt habe. Richtig in Rage gerate Bernd Ziesemer wenn es um seine Feinde in der linken Presse gehe oder um die Gewerkschaft Verdi oder um Karl Schiller, dem ein eigenes Kapitel gewidmet sei. "Unterfüttert" habe der Autor seine Streitschrift gegen die staatliche Ordnungspolitik mit "ein wenig" Systemtheorie aus den dreißiger Jahren, wonach staatliche Steuerungen grundsätzlich nicht berechenbar seien. Hartz IV habe dies schließlich bestätigt. Der Rezensent findet solche Kurzschlüsse "ziemlich dreist" und sehnt sich nach dem immer noch nicht geschriebenen Buch über ökonomische Unvernunft.
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