Aus dem Amerikanischen von Frank Lachmann. Bekanntlich sind auf der Welt nur zwei Dinge sicher: der Tod und die Steuern. Allerdings scheint Benjamin Franklins Bonmot nicht für alle zu gelten. Multinationale Großkonzerne entwickeln immer ausgeklügeltere Methoden, um ihre Gewinne am Fiskus vorbeizuschleusen, Steuerparadiese unterbieten sich in der Konkurrenz um die Gelder Wohlhabender. In den USA müssen Milliardäre dank Trumps Reformen inzwischen weniger an den Staat abtreten als ihre Assistenten. Die beiden Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman rekonstruieren, wie es zu dieser Ungerechtigkeit kommen konnte. Sie erklären Steuervermeidungsstrategien, zeigen auf, wie Steuerungerechtigkeit und Ungleichheit miteinander verbunden sind, und formulieren Vorschläge für gerechtere Abgabensysteme in einer globalisierten Welt. Wir müssen verhindern, so die renommierten Ungleichheitsforscher, dass eine Konzentration des Reichtums in den Händen weniger die demokratischen Entscheidungen vieler aushebelt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2020
Rezensent Lars Döpking hat seine Einwände gegen das Buch der Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman, die den USA ein progressives Steuersystem und Steuererhöhungen empfehlen gegen die zunehmende Schere zwischen Armen und Reichen. Dass die Autoren in ihrer Studie von "methodischen Standardverfahren" abweichen und damit Kontroversen befeuern, stellt Döpking ebenso fest, wie ihm auffällt, dass im Buch die "argumentative Brechstange" zur Anwendung kommt, eine Rhetorik, die sich die Autoren laut Rezensent lieber gespart hätten, da sie statt detaillierter Abwägung parteiinterne Diskurse der Demokraten wiedergibt, wie er meint.
Rezensent Stefan Reinecke nimmt den bisweilen schrill aktivistischen Ton der Studie von Emmanuel Saez und Gabriel Zucman hin. Dafür bekommt er eine scharfe Analyse der US-amerikanischen Fiskalpolitik von Roosevelt über Reagan bis Trump, die trotz der vielen Daten lesbar bleibt, wie er schreibt. Klassisch auf eigenen Untersuchungen fußend und mit Zahlen unterfüttert eruieren die Autoren laut Reinecke, wer wann in den USA wie viel Steuern gezahlt hat, was das für die Gerechtigkeit bedeutet (nichts Gutes) und wie es besser zu machen wäre (Stichwort: Mindeststeuern).
Für den Rezensenten Caspar Dohmen leisten Emmanuel Saez und Gabriel Zucman mit ihrem Buch wichtige politische Überzeugungsarbeit hin zu einer gerechteren globalisierten Welt. Indem die Autoren die Bedeutung von gerechter Besteuerung und "fiskalischer Demokratie" herausarbeiten und den Weg vom progressiven Steuersystem Roosevelts bis zur Wende unter Reagan und zur Blüte der "Steuervermeidungsindustrie" nachzeichnen, lassen sie laut Dohmen Muster und Lösungsansätze erkennen. Dass die Steuer im Zentrum der Handelspolitik stehen müsste, wie die Autoren meinen, glaubt der Rezensent am Ende der Lektüre auch, weil die Autoren so überzeugend argumentieren.
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