Zuhause ist woanders
(Ab 9 Jahren)

Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2026
ISBN
9783836963718
Gebunden, 240 Seiten, 18,00
EUR
Klappentext
Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann. Illustriert von Maartje Kuiper. Als Mirza aus der Schule kommt, steht sein Papa schon am Tor und wartet auf ihn. Ohne etwas zu erklären, fährt er mit ihm im vollgepackten Auto los … Je länger sie fahren, desto mehr wird Mirza klar, dass etwas nicht stimmt. Wohin fahren sie? Und warum? Mirza will zurück nach Hause, zurück zu seinem besten Freund. Bis er begreift, was sein Vater vor ihm verheimlicht. Und dass es kein Zurück gibt.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 19.03.2026
Vergnügt liest sich Rezensentin Eva-Christina Meier durch drei neue Kinderbücher von Enne Koens, Andreas Greve und Julie Flett. "Migration sowie die Erfahrungen von Verlust" verarbeitet die niederländische Schriftstellerin Enne Koens so sensibel wie unterhaltsam, freut sich Rezensentin Eva-Christina Meier. Mirza wird von seinem Vater auf einer hastigen Flucht, die erst im Laufe der Handlung erklärt wird, in dessen Heimatland mitgenommen und muss sich nun mit der neuen Umgebung, einer unbekannten Sprache und misstrauischen Kindern auseinandersetzen. Weder Mirzas ursprüngliches Zuhause noch das Bergdorf, in das er vom Vater gebracht wird, werden im Text benannt. Dort wird eine fiktive Sprache gesprochen, das Levarisch, für das die Autorin sogar ein kleines Lexikon angehängt hat, wie wir lesen. Ergänzt wird die Handlung um fantastische Elemente, zum Beispiel, wenn Mirza im Wald ein unbekanntes Tier, das "Slüwen" begegnet. Außerdem steuert Maartje Kuiper "zarte" Illustrationen bei, die Gefühle und Figuren der neuen Umgebung auf originelle Weise beleben. Zum Glück freundet sich Mirza dann mit Selin an und kann endlich ankommen, verrät die zufriedene Kritikerin.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.03.2026
Wie sich Fliehen für Kinder anfühlt, lässt sich für Rezensentin Christine Knödler im neuen Kinderbuch der Niederländerin Enne Koens nachvollziehen: Ihr Protagonist Mirza muss von einem auf den anderen Tag mit seiner Familie fliehen, sein bester Freund Lukas bleibt zurück. Für Mirza ist alles fremd, laut Knödler ein interessanter Perspektivwechsel, denn normalerweise gilt ja der Geflüchtete als Fremder. Er versuche, zumindest in Gedanken weiter mit Lukas zu sprechen, um der Angst, dem Unbekannten, der gruseligen Bergumgebung Herr zu werden. Weder das Land der Lewaren noch dessen Sprache gibt es in echt, so die Rezensentin, für die auch das Wörterbuch am Ende Beweis für die Kreativität der Autorin ist, gelungen ergänzt durch die freundlich-zurückhaltenden Illustrationen von Maartje Kuiper. Für sie ein sehr gelungenes Buch über ein drängendes Thema, schließt Knödler.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 03.02.2026
Rezensentin Sylvia Schwab freut sich sehr über diesen stillen und genau erzählten Kinderroman über das Fremdsein und die Flucht. Darin wird der zwölfjährige Mirza eines Tages von seinem Vater von der Schule abgeholt und von ihm in sein Heimatland gebracht, resümiert die Kritikerin. Mirza, der im nahbaren Präsenz und in sensiblen, kurzen Sätzen die Geschichte erzählt, muss sich nun an diese neuen Lebensumstände anpassen, die Sprache lernen und neue Freunde finden, erfahren wir. Für die Angst, sein Zuhause nie wieder sehen zu können, wie auch für die Beschreibung dieses neuen, kulturellen Raumes finde die Autoren poetisch-dichte Bilder, die oft mit fantastischen Elementen gekonnt kombiniert werden. Dass es sich bei dem väterlichen Heimatland nicht um einen realen Staat, sondern um eine Fiktion, bei der Sprache um eine Kunstsprache handelt, begünstigt das universelle Gefühl der Fremdheit, in dem sich alle wiederfinden können, lobt Schwab diesen originellen Text.