Die Kinder aus der Hochhaussiedlung in Bremen-Nord kennen die Herkunftsorte ihrer Familien genau: Türkei, Russland, Albanien. Nur bei Karla ist alles etwas anders. Sie weiß zwar, dass die Großmutter in den 60ern als Gastarbeiterin aus Istanbul nach Deutschland kam, und auch, dass die Familie armenische Wurzeln hat, doch gesprochen wird darüber nicht. Als Karlas Großmutter stirbt, taucht der Name einer Frau auf, Lilit, samt einer Adresse in Armenien. Karla gelingt es, ihren Vater zu einer gemeinsamen Reise zu überreden - in eine Heimat, die beide noch nie betreten haben. Laura Cwiertnia erzählt davon, wie es sich anfühlt, am Rand einer Gesellschaft zu stehen. Und davon, wie es ist, keine Geschichte zu haben, die man mit anderen teilen kann.
Rezensent Tigran Petrosyan findet Gefallen an der Literarizität von Laura Cwertnias "Auf der Straße heißen wir anders". Die armenisch-deutsche 34-jährige Schriftstellerin und Journalistin erzählt darin über vier Generationen und aus der Ich-Perspektive ihrer Protagonistin Karla von einer armenischen, aus Istanbul stammenden Familie, deren unausgesprochenen Ängste vor Verfolgung und vom GastarbeiterInnen-Dasein in Deutschland, resümiert Petrosyan. Damit ist dieser Debütroman nicht nur ein inhaltlich wichtiges Werk, der Rezensent findet großen Gefallen an der Erzählweise der Autorin, die hier feine, aber nicht kitschige oder anklagende Beobachtungen schildert. Das ähnelt dem Rezensenten zufolge einer literarischen Reportage, die stets von Erinnerungsbruchstücken unterbrochen wird und unter anderem deswegen spannend bleibt, da nicht chronologisch berichtet wird. Auch, wenn die Themen schwer sind, ist der Roman nicht düster, sondern zaubert ab und zu auch mal ein Lächeln auf das Gesicht der LeserInnen, schließt Petrosyan.
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