Tash Aw

Fremde am Pier

Porträt einer Familie
Cover: Fremde am Pier
Luchterhand Literaturverlag, München 2024
ISBN 9783630877044
Gebunden, 128 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Pociao und Roberto de Hollanda. "Wir wollen, dass der Fremde einer von uns ist, jemand, den wir verstehen können." Tash Aw erzählt mit Blick auf seine malaysisch-chinesische Familie eine zutiefst persönliche Geschichte des modernen Asiens. Vielleicht beginnt alles an der Universität in England. Da sitzt er beim Lunch inmitten von Kommilitonen, die ihren Stammbaum Generation um Generation herunterbeten können. Und er? Weiß nicht einmal genau, wo seine Großmutter aufgewachsen ist. Tash Aw macht sich auf die Suche, und was er findet, ist nichts weniger als der Kontinent, den er in sich trägt. Von einer Taxifahrt durch das heutige Bangkok über die Besuche bei Kentucky Fried Chicken im Kuala Lumpur seiner Kindheit bis zu den gefährlichen Bootsüberfahrten von China nach Malaysia, die seine Großväter in den Zwanzigerjahren antraten. Aw verwebt die Geschichten seiner Vorfahren mit seinen eigenen Erfahrungen, malt Bilder von ländlichen Dörfern und Nachtclubs in Megacitys. Er zeigt die schwindelerregende Vielfalt von Sprachen, Dialekten und Slangs und zeichnet damit ein komplexes Porträt Asiens.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 08.11.2024

Von den Opfern des Fortschritts erzählt Tash Aw in seinen Romanen, von all dem, was aus den Geschichtsbüchern, den kollektiven Erzählungen aber auch den Familiengeschichten gestrichen wurde, weiß Rezensentin Marie Schoeß. In seinem Memoir "Fremde am Pier" spürt er nun den Leerstellen in der eigenen Familiengeschichte nach, schildert klar und nachvollziehbar, wie das "private Schweigen" das politische System stabilisiert, welches auf Schweigen aufbaut, so die Rezensentin. Vor allem aber fragt er sich, wie diese Leerstellen, das Nicht-Gesagte sein sowie das Leben seiner Vorfahren prägte, ja immer noch prägt, lesen wir. Gespräche mit seinem Vater unterbrechen den Text wie Versatzstücke, das Ergebnis ist ein "gebrochener Text", so Schoeß, in dem vor allem die Lücken, das leicht Dahergesprochene, die Gesprächsabbrüche beredt sind. Aus diesen Brüchen lernt Aw, dass die Möglichkeiten, die seine Vorfahren ihm erschlossen haben, sie nun voneinander trennen, so die Rezensentin, für die das eine "harte Erkenntnis" ist.

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