Aus dem Englischen von Martina Wiese. Nobelpreisträger Eric Kandel entführt uns mit "Das Zeitalter der Erkenntnis" in das Wien Sigmund Freuds, Gustav Klimts und Arthur Schnitzlers. Dort setzten um 1900 die angesehensten Köpfe der Naturwissenschaft, Medizin und Kunst eine Revolution in Gang, die den Blick auf den menschlichen Geist und seine Beziehung zur Kunst für immer verändern sollte. Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir Kunst betrachten, welche Einsichten und Emotionen werden dadurch ausgelöst? Und inwiefern sind sie Grundlage für Empathie oder Kreativität? Um das herauszufinden, begibt sich Eric Kandel in das Wien um 1900, wo ein enger und produktiver Austausch zwischen den bedeutendsten Psychologen, Künstlern und Literaten der Zeit stattfand. Indem Kandel diese ganz besondere Atmosphäre wiederauferstehen lässt, erzählt er die Geschichte der modernen Wissenschaft des Geistes von ihren Anfängen bis heute.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.11.2012
Einen etwas zwiespältigen Eindruck hat Eric Kandels Buch über die Wahrheitssuche in der Kunst und in der Wissenschaft der Moderne bei Rezensentin Stefana Sabin hinterlassen. Mit viel Lob bedenkt sie die Ausführungen über Klimt, Schnitztler und Freud und die Wiener Kunst- und Kulturszene um 1900. Doch je mehr sich die Darstellung den Erkenntnissen der modernen Neurowissenschaften zuwendet, desto schwerer ist sie nach Ansicht von Sabin zu lesen. Trotz der großen schriftstellerischen Fähigkeiten des Autors gelingt es diesem in ihren Augen nicht so recht, die komplexen Zusammenhänge zwischen der Betrachtung eines Gemäldes und den neuronalen Prozessen wirklich verständlich zu machen. Allerdings scheint ihr dies nicht so sehr an der Darstellung von Kandel zu liegen als an der Schwierigkeit des darzustellenden Stoffs.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 04.10.2012
Der Wissenschaftler und Nobelpreisträger Eric Kandel hat sich in seinem neuen Buch "Das Zeitalter der Erkenntnis" einiges vorgenommen, meint Rezensentin Elisabeth von Thadden - und bleibt nach der Lektüre mit gemischten Gefühlen zurück. Die Kritikerin liest hier nicht nur eine Geschichte der Erforschung des Unbewussten in Kunst, Geist und Gehirn von der Wiener Moderne bis in die Gegenwart, sondern folgt Kandel auch bei dem Versuch, anhand seiner Neuroästhetik Kunst und Biologie miteinander zu "versöhnen". Dabei liegt der Reiz dieses Werkes für die Rezensentin vor allem darin, dass sich der einstige Wiener und heutige Amerikaner in das Wien zurückbegibt, aus dem er als Kind von den Nazis vertrieben wurde. Kandel entwerfe das Bild eines "idealen" Wiens, in dem sich medizinische Forschung, Geist und Kunst gegenseitig durchdrangen, informiert Thadden, die hier über interessante Beobachtungen liest, etwa Kandels Untersuchungen zur Darstellung von Aggression, Angst und Sexualität in den Werken von Egon Schiele, Gustav Klimt und Oskar Kokoschka. Doch muss die Rezensentin auch feststellen, dass Kandels Versuch, Biologie und Kunst zu verbinden, mit der Zeit immer angestrengter wirkt.
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