Nachwort von Irmela von der Lühe. Übersetzt von Ernst-Georg Richter. Alle Geschichten aus Erika Manns Zyklus arbeiten mit der Antithese von gesundem Menschenverstand und nationalsozialistischer Barbarei. Vieles am nationalsozialistischen Alltag ist lächerlich oder grotesk: die Fülle der sich widerstreitenden Bestimmungen, die offenkundig inkompetenten, aber linientreuen Repräsentanten, die Gründe, derentwegen man ins Gefängnis wandern konnte. Die Dummheit und mit ihr die Barbarei sind mit Hitler an die Macht gelangt. Er selbst und seine Anhänger sind bestenfalls schlechte Schauspieler, Schmierenkomödianten - und doch zugleich in ihrer primitiven Roheit eine Bedrohung für die Zivilisation insgesamt. (aus dem Nachwort von Irmela von der Lühe)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.09.2005
Erika Manns Porträts vedienen es, aufmerksam gelesen zu werden, zumal sie einen Beitrag zur Alltagsgeschichte des Dritten Reiches leisten, meint Iring Fetscher. Höchst erfreut zeigt er sich über das Buch, das bereits 1940 in London und New York veröffentlicht wurde und jetzt erstmals in deutscher Rückübersetzung vorliegt. Mann war es von ihrem Exil in der Schweiz heraus möglich, die Lage im nationalsozialistischen Deutschland zu beobachten und mit Flüchtlingen zu sprechen. Zehn von ihnen hat sie porträtiert, lesen wir, in anrührenden und auch "ungemein hurmovollen" Skizzen, vom evangelischen Pfarrer bis zur Mutter eines ermordeten Seemanns. Am meisten beeindruckt hat den Rezensenten die Geschichte eines Jura-Professors, der in seinen Vorlesungen allein durch genaue Hervorhebung von Zitaten des NS-Justizministers und des Verfassungsrechts seinen Studenten die Inhumanität der NS-Justiz verdeutlicht. Fetscher resümiert anerkennend: Obwohl Erika Mann "Geschichten" und keine Reportagen erzähle, gelinge ihr ein "ungemein lebendiges und realistisches Bild" der Menschen.
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