Karl Franz Lembke war ein Mann mit vielen Gesichtern. Für die einen, die ihn kennenlernten, war er der Dr. Allwissend, erfahren in Politik, Medizin, Pferdezucht und was immer gerade gefragt war, für andere, zu anderen Zeiten, ein mitleiderregender Zuchthäusler, doch stets ein Mann mit außergewöhnlichen Qualitäten. KFL wusste seine Talente geschickt zu nutzen - in Deutschland ebenso wie in Frankreich. Als junger, mehrmals straffällig gewordener Mann verlässt er sein Heimatland, gelangt im Zuge der Emigrantenströme nach Paris, wo er sich mit Charme und Verführungskunst in höhere Regierungskreise einschmeichelt, Generäle und Verwaltungsbeamte düpiert, bei Ausbruch des Krieges nach Südfrankreich flüchtet und mit allerhand Hochstapeleien seine Haut vor dem Zugriff der deutschen Besatzer rettet. Nach dem Krieg vagabundiert er durch Westdeutschland, betört Frauen durch märchenhafte Geschichten und erdichtet sich immer neue Identitäten. Er landet im Knast, bringt eine Aufführung von 'Warten auf Godot' in eigener Übersetzung zustande, wechselt herzerweichende Briefe mit dem Autor Samuel Beckett und beschäftigt die deutsche und die französische Justiz nach seiner Freilassung noch jahrzehntelang.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 03.02.2016
Rezensentin Christina Lenz staunt über die Recherchefunde der Beckett-Spezialistin Erika Tophoven, die sich in diesem Band an die Fersen des Hochstaplers, Knastis und Beckett-Übersetzers Karl Franz Lembke heftet. Arkribisch, so Lenz, klappert die Autorin Akten und Stationen eines Mannes ab, der der Rezensentin durch seine Zwielichtigkeit, seine schillernde Begabung und seine Ruhelosigkeit schließlich nicht nur selbst als Beckettsche Figur erscheint, sondern zugleich als typischer Vertreter einer von Lügen und Optimismus gleichermaßen geprägten Nachkriegsära. Für Lenz eine spannende Lektüre.
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