Ernst Jünger hat ein umfängliches Reisewerk hinterlassen. Im Laufe seines Lebens unternahm er mehr als 80 Reisen, etliche auch an exotische Orte in Übersee. Ausgehend von größtenteilsm unbekannten Dokumenten des Nachlasses authentischen Reisenotizen und unveröffentlichten Briefen , fügt Weber der Biografie dieses Jahrhundertmenschen das bislang ungeschriebene Kapitel eines intensiven Reiselebens hinzu. Jünger reflektierte die Moderne als Beschleunigungsgeschichte und dokumentierte die um (Selbst-)Bewahrung bemühten Versuche, die katastrophalen Umbrüche, den permanenten Wandel des 20. Jahrhunderts literarisch zu bewältigen. Ernst Jüngers Ästhetik der Entschleunigung liefert damit nicht nur eine Ästhetik des Tourismus und der literarischen Moderne, sondern hält auch Verhaltensregeln für eine Epoche bereit, in der das Zeit-für-sich-haben immer weniger möglich erscheint.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.07.2012
Als geeignete Ergänzung zu den beiden 2007 erschienenen Jünger-Biografien und bravouröse Studie zu Ernst Jüngers Reisedarstellungen, die der Rezensent als Kern von Jüngers Werk ausweist, bezeichnet Detlev Schöttker Jan Robert Webers Dissertation. Dass die Forschung hier bisher versagt hat, kann Schöttker mit diesem Band getrost vergessen, dessen Nachlassarbeit, intellektuelle Durchdringung der Texte und sprachliche Darstellung der Ergebnisse ihn gleichermaßen überzeugen. Zweierlei nimmt Schöttker vor allem mit aus dieser Lektüre: Jünger war auf seinen Reisen nicht der Anarch, als der er sich gerne sah, sondern residierte meist auf Kosten anderer in teuren Hotels. Und um Modernekritik war es ihm nie zu tun, eher um sinnlichen Genuss; selbst in der Dritten Welt faszinierten ihn vor allem Tiere, Pflanzen und Architektur.
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