Nach Italien, über die Schweiz und Deutschland - Michel de Montaigne beschrieb seine Reise zu Pferde 1580 bis 1581 im berühmten Reisetagebuch. 440 Jahre später reitet der französische Philosoph Gaspard Koenig auf seinen Spuren. Ein ganz eigener Reisebericht über das Unterwegssein, die Freiheit der Langsamkeit und das Europa von heute. Wie viele Umwege und Zufälle auf dem eigenen Weg gesteht uns die moderne Welt noch zu? Mit Montaigne als stetigem Reisebegleiter reitet Koenig an den gleichen Feldern, Kirchen und Weinreben vorbei - und doch ist dieser Weg von Bordeaux nach Rom keine historische Rekonstruktion. Wo Montaigne sich für das schnellste Verkehrsmittel seiner Zeit entschied und seine Pferde täglich wechselte, ist die Reise heute eine der Entschleunigung und bürokratischen Hürden. Ohne die richtigen Papiere für sein Pferd scheitert Koenig an der Schweizer Grenze und moderne Routenführer konfrontieren den Reiter mit ungeahnten Grenzen.Diese Reise ist ein Abenteuer und eine Begegnung mit der Natur. Doch vor allem ist sie eine Erzählung individueller Erfahrungen. Wie schon Montaigne sucht Koenig Kontakt zu den Menschen, denen er begegnet, und lässt sich leiten von ihren Geschichten. Aus einer einzigartigen Perspektive spürt er den Eigenheiten der Länder nach, die er durchquert. Dieser Reisebericht ist eine Feier der Begegnung von Mensch zu Mensch, der Radikalität der Einfachheit und der Entschleunigung.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 15.09.2022
Rezensent Michael Opitz liest interessiert, wie sich Gaspard Kœnig "Mit Montaigne auf Reisen" geht, was bedeutet, sie auf dem Rücken eines Pferdes von Frankreich nach Italien zu kämpfen. Der Philosoph war für sein neues Buch 20 Wochen mit seiner Stute Destinada auf den Spuren von Montaigne unterwegs, befragte immer wieder Menschen, die er traf und ließ sie von ihren Leben und Ansichten berichten, erzählt Opitz. Den in Frankreich spielenden Teil findet der Rezensent sehr interessant , denn Kœnig kann erzählen, doch ihn stört, dass der Autor, der weder Deutsch noch Italienisch spricht, seine Probleme in diesen Ländern ausschließlich bei den Einheimischen sucht. . Da stellt sich Opitz durchaus die Frage, inwiefern das zukunftsweisend europäisch gedacht ist.
Rezensent Wolf Lepenies folgt zusammen mit dem französischen Philosophen Gaspard Koenig den Spuren Michel de Montaignes bis nach Rom - wie Montaigne zu Pferd. Die "Mensch-Tier-Expedition" hält für Lepenies nicht nur mitunter poetisch gefasste Erkenntnisse über das Miteinander von Mensch und Pferd bereit, über das Phänomen der Wanderreiter und essbare Pflanzen am Wegesrand, sondern auch über die französische Provinz und den Pariser Zentralstaat. Dass Koenig die Montaigne-Zitate offenbar nachträglich in seinen Reisebericht eingefügt hat, wie Lepenies vermutet, stört den Rezensenten nicht. Von "überraschender Gegenwärtigkeit" sind sie allemal, versichert er.
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