Re Soupault

Kaffee mit Croissant in Avignon

Reisetagebuch
Cover: Kaffee mit Croissant in Avignon
Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2025
ISBN 9783884237243
Gebunden, 160 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Exil in den USA nach Europa zurückgekehrt, lebte Ré Soupault von 1948 bis 1958 in Basel, begann dort als Übersetzerin und Radio-Essayistin zu arbeiten und studierte vier Jahre lang bei Karl Jaspers. Am 30. April 1951 reiste sie mit der Bahn von Basel nach Avignon. Am 2. Mai bestellte sie in einer Bäckerei Kaffee und Croissant und notierte: "Ich liess es mir gut schmecken, während ich bemerkte, dass Kaffee mit Croissant mir am meisten gefehlt hatte während all der Hungerjahre." Am 6. Mai kaufte sie sich in Avignon ein Vélosolex. Es hatte keinen Tacho, keinen Rückspiegel, keine Federung, keine Satteltaschen. Die Reisegeschwindigkeit lag bei nur 15 bis 20 Stundenkilometern, doch dafür war es preiswert: für eine Strecke von 300 km war eine Zwei-Liter-Mischung aus Öl und Benzin ausreichend. Ihre mit diesem Gefährt unternommene Reise führte sie von Avignon über Orange, Nîmes, Nizza, Cagnes-sur-Mer, Menton, Saumane, St André-les-Alpes, Sisteron, Entreveaux und Grenoble bis nach Basel. Dort traf sie Mitte Juni nach sechs Wochen auf dem Fahrrad ein. Während der gesamten Zeit führte sie ihr Reisetagebuch - handschriftlich auf losen Blättern, von denen oft Vorder- und Rückseite beschrieben sind. Sie berichtet von ihren Gesprächen mit Menschen, denen sie auf ihrer Reise begegnet ist, von ihren Kino-Besuchen, beschreibt die Städte und Landschaften. Sie war Regen und Nebel schutzlos ausgeliefert, fühlte sich heimatlos und war immer auf der Suche nach einem Ort, an dem sie bleiben könnte. So entstand ein außerordentliches Menschen-, Städte- und Zeitportrait Südfrankreichs nach dem Zweiten Weltkrieg.Im Herbst 1951 sollte sie eine weitere Reise mit dem Vélosolex durch das zerstörte Süddeutschland unternehmen. In der Zwischenzeit hatte sie eine Reiseschreibmaschine erworben, die sie auf dem Vélosolex mit sich führte. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2025

Angeregt bespricht Rezensent Jan Wiele dieses Buch, das Tagebuchaufzeichnungen Ré Soupaults kompiliert. Und zwar geht es um Einträge, die die Autorin 1951 zu Papier gebracht hat, als sie, berichtet Wiele, durch Südfrankreich unterwegs war, auf einem Fahrrad mit Hilfsmotor. Ré lebte zu dieser Zeit, erläutert Wiele, bereits nicht mehr mit ihrem Mann Philippe zusammen, wobei das Manuskript zur vorliegenden Veröffentlichung wohl im Zuge einer Philippe-Soupault-Werkausgabe aufgetaucht ist - das Original ist vorwiegend in deutscher Sprache verfasst. Es handelt sich hier jedenfalls nicht nur um touristische Texte, gelegentlich kommt die Autorin ins Halluzinieren, an anderen Stellen schimpft sie über Stierkämpfe oder wundert sich über giftige Wahlplakate. Wiele verspricht uns eine lohnende Lektüre! 

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