Dies Buch verdankt sich dem Staunen über die thematische Vielfalt, die gedankliche Komplexität, den stofflichen und thematischen Reichtum, die formale Variationsfähigkeit, die Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Publikum, die Goethe in den Werken, die in den letzten 25 Jahren seines Lebens entstanden sind, an den Tag legte. Es sucht in einer Reihe von Einzelstudien die Frage nach der inneren Einheit von Goethes Spätwerk, den ideellen Zusammenhängen in dieser thematischen und formalen Vielfalt, zu beantworten, die immer auch die Frage nach dem Zusammenhang von Leben und Werk einschließt. Seinen werkbiografischen Zusammenhalt sieht es in einer Schreibsituation der produktiven Einsamkeit begründet, die Goethe dazu in die Lage versetzte, so zu schreiben, als ob es das Publikum nicht gäbe. Auf diese Weise konnte er seine thematischen und formalen Entscheidungen in völliger Freiheit treffen und seine Werke über lange Zeiträume hinweg so entstehen lassen, wie sie selbst es verlangten, und nicht, wie es den Erwartungen des literarischen Marktes entsprach.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2024
Einen "altersradikalen Schriftsteller" lernt Rezensent Wolfgang Matz mit Ernst Osterkamps Buch über Goethes Spätwerk kennen: Osterkamp ist Emeritus der Humboldt-Uni, dem akademischen Duktus schließt sich auch der Rezensent an, der dem Autor gerne bei den Schilderungen eines vielgestaltigen Intellektuellen und seinem späten Schaffen folgt. Die Häufung des Adjektivs "wunderlich" in den "Wanderjahren" ist ebenso Thema wie "Einsamkeit und Altersbewusstsein", für den Kritiker ein besonders herausragendes Kapitel. Für Matz ein großer Gewinn, dass der Literaturwissenschaftler anhand des alten Goethe zeigt, wie große Literatur auch für die heutige Zeit eine wichtige Bedeutung haben kann.
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