Die Frage nach der Modernität Goethes stellt sich für Friedrich Dieckmann nicht - wer Goethe als "Dichterfürsten" vermeintlich rühmt, hat ihn genauso wenig verstanden wie einer, der ihn, in der Nachfolge Ludwig Börnes, als "Fürstenknecht" schmäht. Auch der Klassiker Goethe ist ein Klischee; es sind die Häutungen, die Verwandlungen dieses Autors, die, über die Einschnitte seiner und unserer Zeit hinweg, Gestalt und Werk lebig machen - man muss nur zu lesen wissen. Hierbei zu helfen ist das Anliegen der zehn Essays, die Dieckmann zum Werk Goethes vorlegt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2008
Keineswegs einverstanden ist Rezensent Manfred Koch mit Friedrich Dieckmanns Deutung von Goethes Faust, die er in seinen Essays "Geglückte Balance" vorlegt. Er hebt den Einspruch des Autors gegen den negativen Blick moderner Interpretationen auf Faust hervor, der in Faust II als Unternehmer ein Welthandelsnetz aufgebaut hat und meist als Verkörperung eines rücksichtslosen, kapitalistischen Machbarkeitswahns gedeutet wird. Zwar halte auch Dieckmann Faust für einen Großkapitalisten, betone aber dessen Wandlung am Ende und unterstreiche dessen angeblich wohltätigen Reformwillen. Dieser "Rettungsversuch" scheint Koch "tapfer", aber "wenig überzeugend", kann er doch keinen stichhaltigen Beleg für einen Gesinnungswandel des Protagonisten finden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.07.2008
Höchstes Lob spendet Gustav Seibt dem Band mit Goethe-Interpretationen von Friedrich Dieckmann und sieht darin stupendes Wissen mit sensibler "Lesekunst" vereint. Die "geglückte Balance" des Titels sieht er auch bei Dieckmanns Lesarten der Goethetexte am Werk, denn dem Autor gelingt es, gleichermaßen den sinnlichen Qualitäten der Texte gerecht zu werden, als auch den zeitgeschichtlichen und biografischen Kontext klug zu erhellen, wie der Rezensent preist. Besonders anregend findet Seibt, dass der Autor nicht etwa, wie es gerade modern ist, Goethe als pessimistischen und obrigkeitshörigen Vertreter der Oberschicht zeichnet, sondern ihn als leidenschaftlichen Humanisten mit "sozialen Neuland-Visionen" konturiert, und hier durchaus frische politische Deutungen des Goethe'schen Werks aufbietet. Von der "historischen Farbenblindheit", mit der nach Seibt die Germanistik gewöhnlich geschlagen ist, ist in diesem Band nichts zu merken und so bejubelt der hingerissene Rezensent diesen Band als "unbedingt zwingende" Lektüre.
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