Herausgegeben von Ute Gerhard, Trudi Knijn und Anja Weckwert. Wenn in Deutschland über erwerbstätige Mütter und ihre Probleme gesprochen wird, dann fehlt es oft an Kenntnis, wie die europäischen Nachbarländer diese Probleme gelöst haben. Daher wählt das Buch einen zweistufigen Ansatz, der sowohl einen Vergleich europäischer Wohlfahrtssysteme umfasst als auch die Alltagspraxis von erwerbstätigen Müttern auf der Grundlage länderbezogener Fallstudien untersucht. Der Band wendet sich an all diejenigen, die die Erwerbstätigkeit von Müttern und die Belange der Kinder als gesellschaftliche und nicht nur individuell zu lösende Aufgabe verstehen.
Von der "äußerlichen Bescheidenheit" dieses Bandes sollte man sich nicht täuschen lassen, empfiehlt Rezensent Warnfried Dettling, denn es handelt sich um ein wirklich "wichtiges Buch", das aufzeigt, wie die Gesellschaft an "Sonder-Themen" wie der weiblichen Erwerbstätigkeit ihre "Zukunft verhandelt". Und so gehe es hier eigentlich um das "Verhältnis Staat, Markt und Familie". In acht Beiträgen untersuchen die beteiligten Forscherinnen die "europäischen Wohlfahrtssysteme" und die "Alltagspraxis von erwerbstätigen Müttern" und legen die "Normen, Leitbilder und Hintergrundbotschaften" (sogenannte "Hidden Curricula") frei, die den Systemen zugrundeliegen, über die aber von öffentlicher Seite keine "Rechenschaft" abgelegt werde. Daher, lobt Dettling, stellt dieses Buch einen regelrechten "Tabubruch" dar. Besonders hebt der Rezensent den Beitrag der Oxforder Professorin für Sozialpolitik Jane Lewis hervor, der die soziale "Leerstelle" zwischen dem klassischen "Ernährer-Modell" und dem zurzeit hochgehaltenen "adult-worker-Modell" und deren "falsche Grundannahmen" offenbart. Dass gerade letzteres Modell von einer "Individualisierung der Frau" nach strikt männlichem Vorbild ausgeht, zeige im folgenden Ute Gerhard. Dieser "wissenschaftlich solide" Band, so Dettlings beeindrucktes Fazit, ist eine "eine Steilvorlage für die Politik und für eine neuartige 'Allianz für die Familie'".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.10.2003
Der von Ute Gerhard, Trudi Knijn und Anja Weckwert herausgegebene Sammelband über die Situation erwerbstätiger Mütter in Europa hat Rezensent Matthias Penzel alles in allem überzeugt. Im Mittelpunkt der acht Essays und Studien stehen Penzel zufolge Strukturen und Institutionen, die das Verhalten der Mütter bestimmen. So erörtern die Autoren Themen wie "Erwerbstätigkeit versus Betreuungsarbeit", "Politische Handlungslogik" an den Beispielen Frankreichs und Schwedens oder "Kulturelle Leitbilder in der Wohlfahrtspolitik", berichtet Penzel. Wie er ausführt, können die Autoren zeigen, dass die Traditionen und Sozialsysteme innerhalb der EU und dementsprechend die Situationen erwerbstätiger Frauen nach wie vor enorm variieren. Ein grundlegendes Problem sieht Penzel in einer Politik, die voraussetze, dass Männer wie Frauen erwerbstätig sind, dabei aber die soziale Realität ignoriere, in der Teilzeitarbeit - und damit verbunden die Alterssicherung - nur stiefmütterlich behandelt werde. Thematisch hält er den Band für "spannend". Etwas bedauerlich findet er nur, dass die Aufsätze nicht eben leicht zu lesen sind.
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