Mit 63 s/w-Abbildungen. "Die Geschichte des Ehrenduells lässt über die Jahrhunderte hin erkennen, wie sich das ursprünglich exzessiv grausame Ritual, das als mörderisches Reitergefecht mit Säbeln oder Pistolen ausgetragen wurde, allmählich ausdifferenziert und sich gemildert hat, bis es schließlich, im späteren 19. Jahrhundert, als weitgehend unblutige Spielform privater Konfliktbewältigung seine einstige Funktion wie auch sein spektakuläres Faszinosum verlor."
Felix Philipp Ingold untersucht die dem russischen Duell zugrunde liegenden Konventionen aristokratischer und militärischer Ehrenhaftigkeit, aber auch deren Strapazierung durch theatralische Tabubrüche und exzessive Grausamkeit bei der Austragung. Der bewaffnete Ehrenhandel wird in Beziehung gesetzt zur traditionellen russischen Raufkultur, zur Körper-und Todesstrafe sowie zum Suizid. Der Darstellung sind zahlreiche historische Texte zur Rechtslage, zur Kodifizierung und zur literarischen Gestaltung des Duells im einstigen Zarenreich hinzugefügt, die die zentralen Unterschiede zur besser bekannten bürgerlichen Duellkultur eindrucksvoll beleuchten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.06.2016
Rezensent Ulrich M. Schmid sieht in Felix Philipp Ingolds Buch ein Standardwerk zum Thema. Wie der Autor das russische Duell anhand von Text- und Bilddokumenten analysiert und so eine Kulturgeschichte des Zweikampfs im Zarenreich erarbeitet, findet er fulminant. Dass die Waffen dabei mal Pistolen, wie bei Puschkin und Lermontow, mal Schreibfedern sind, wie bei Alexander Blok und Andrei Bely, stört Schmid nicht. Bei Ingold erfährt er nicht nur, wie sich das Duell aus dem Rittertum entwickelte, sondern auch, wie Zar und Kirche dagegen Front machten und wie das Duell bei Dostojewski und Tschechow literarisch bearbeitet wird.
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