Feridun Zaimoglu

Bewältigung

Roman
Cover: Bewältigung
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2022
ISBN 9783462003482
Gebunden, 272 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Wo kippt Recherche in Obsession? Wann beginnt Kunst toxisch zu werden für ihren "Schöpfer"? Zu Beginn scheint es eine normale Vorarbeit zu sein, eine schwierige zwar, aber keine unvertraute. Denn Schreiben bedeutet immer Anverwandlung, eine Nähe zum Material ist absolut notwendig. Was aber, wenn das Material sich nicht bewältigen lässt und beginnt, ein zerstörerisches Eigenleben zu führen? Die Recherchereise des Autors an "Schauplätze" Hitlers, führt ihn immer tiefer hinein in die Gedankenwelt seines Protagonisten. Die Bayreuther Festspiele, München, Obersalzberg: ein surrealer Fiebertraum. Doch es ist auch eine Reise zurück in der Zeit, in seine Jugend in der Stadt Dachau Mitte der 1980er, wo er zur Schule ging, nicht weit von der Stelle, wo die Nationalsozialisten 1933 das erste KZ errichteten. In Kiel, an seiner Schreibmaschine, versucht er, seine Figur literarisch zu entfesseln und zugleich zu bannen. Und verliert Schritt für Schritt die Kontrolle über sein Projekt und mehr und mehr auch sich selbst.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2022

Rezensentin Melanie Mühl verschlägt es fast die Sprache ob der "Hitlerwerdung" des nur "Autor" genannten Ich-Erzählers in diesem Roman. Der ist ein deutscher Schriftsteller mit türkischen Wurzeln und ging in den 80er Jahren in Dachau zur Schule - wie Zaimoglu auch, erzählt Mühl. Angetrieben wird der "Autor" von der Idee herauszufinden, warum Hitler die Juden so hasste. Dafür geht er an die Orte, wo Hitler wohnte und die Krematorien, wo er versucht, mit Hitler zu verschmelzen. Wozu genau das gut sein soll, erfahren wir nicht, aber es ist ein "wichtiges Buch" versichert uns die atemlos referierende Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 17.09.2022

Warum über Hitler schreiben? Rezensent Fabian Wolff denkt, dass Provokation der grundlegende Antrieb für Feridun Zaimoglus neuestes Buch ist, schaut er sich dessen öffentliche Auftritte an. Die Frage nach dem Verhältnis von Deutschland und seiner Geschichte, von Deutschland und Hitler, ist ein gewaltiges Thema, doch endet es zu sehr im stofflichen Chaos. Es geht um Bewältigung, um Geschichte, um Erinnerung und um Identität - der Kritiker ist sich nicht sicher, ob sich der Autor damit nicht vielleicht doch zu viel vorgenommen hat. Zaimoglu ist ob der Thematik zwar "authentisch sprachlos", aber ein bisschen Gefühlsklischee ist auch dabei, meint Wolff.
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