Aus dem Portugiesischen von Ines Koebel. Der portugiesische Dichter und Denker Fernando Pessoa gibt Einblick in seine schwer zu fassende komplexe Persönlichkeit.
Der Autor des Jahrhundertwerks 'Das Buch der Unruhe' hat tausend Gesichter: Er ist Dichter und Theosoph, Pazifist und Monarchist, Klassiker und Futurist, der an sich selbst Zweifelnde und der sich selbst Überhöhende, der Misanthrop und der Menschenfreund. Eine Vielheit, die offenbart, was den Portugiesen umtrieb: sein Suchen, Zweifeln und Werden, seine inneren Kämpfe, seine Widersprüche, seine Sehnsucht nach Selbstvergewisserung und Identität.
In einer Auswahl von Selbstanalysen, Tagebucheinträgen, Briefen, ergänzt durch Aussagen von Zeitgenossen, lädt die Pessoa-Kennerin und -Übersetzerin Inés Koebel dazu ein, sich auf die Spur dieses geheimnisvollen Verwandlungskünstlers zu begeben.
Astrid Nettling machen die im vorliegenden neuesten Band der Pessoa-Werkausgabe enthaltenen Selbstzeugnisse Fernando Pessoas neugierig auf die Heteronyme des Autors in seinen literarischen Texten. Neben Pessoas Konzept der Heteronymie eröffnen ihr die Briefe, Aufzeichnungen und Notizen zur eigenen Person aus den Jahren 1905-1935 den Blick auf den Melancholiker, den Individualisten, den Neuheiden und den Moderne-Bewohner, den Seelenzergliederer Pessoa. Klug erscheint ihr Ines Koebels Auswahl, die auch weniger bekannte Seiten Pessoas ausleuchtet, sein Interesse für Philosophie, Religion, Psychologie und Esoterisches.
Rezensent Peter Hamm findet den portugiesischen Dichter Fernando Pessoa, der unter etlichen fantasiereich erfundenen Pseudonymen jeweils sehr unterschiedliche Werke verfasste, rätselhaft und faszinierend, dementsprechend hat er die Gedichte seiner berühmtesten Heteronyme in diesem Sammelband von Schriften von und über Pessoa sehr gerne gelesen. Dennoch hat die Auswahl, die Herausgeberin und Übersetzerin Inés Koebel hier getroffen hat, dem Kritiker nicht nur zugesagt: Manche der Texte fand er schlichtweg zu banal, um aufgenommen zu werden, andere, beispielsweise Dokumente, die die jüdischen Wurzeln des Autors thematisieren, haben ihm wiederum gefehlt. Nichtsdestotrotz hat das Buch den Rezensenten erneut den Erfindungsreichtum und die Einzigartigkeit des Portugiesen bewundern lassen.
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