Aus dem Russischen von Swetlana Geier. Polina verliert ihren Geliebten Aleksej an die Spielsucht. Was ihn am Spiel ums Geld fasziniert, ist nicht das Gewinnen oder Verlieren. Einzig und allein jener kurze Augenblick fesselt ihn, in dem die Kugel, vom Croupier in die Cuvette geworfen, in der Gegenrichtung kreist, um endlich in ein Zahlenkästchen zu fallen. Nach dem "Rien ne va plus" des Croupiers bis zum Fallen der Kugel - jener Augenblick, dessen Auswirkung durch nichts mehr zu beeinflussen ist, in dem das Leben für diesen Augenblick sich unserem Willen entzieht. Der Spieler ist ein langezeit unterschätztes Werk von Dostojewskij geblieben. Das wird sich, zumindest in der deutschsprachigen Rezeption, durch Swetlana Geiers Neuübersetzung ändern. Erschienen 1866, im selben Jahr wie "Verbrechen und Strafe", diktiert in knapp vier Wochen, nimmt der Roman zu guten Teilen eine Anzahl der Motive der späteren Großwerke vorweg.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 24.12.2009
Urs Heftrich schreibt weniger eine Kritik von Swetlana Geiers Neuübersetzung des Romans als einen kleinen - sehr instruktiven und amüsanten - Essay über den Roman selbst. Er schildert zunächst die unglaublich romaneske Konstellation, in der Dostojewski den Roman schrieb: Er diktierte ihn in einer Art Teufelspakt mit einem bösen Verleger innerhalb von 26 Tagen, um selber Spielschulden zu begleichen. Hätte er das Manuskript zwei Stunden später abgeliefert, hätte er sämtliche Rechte an seinen Werken verloren. Aber immerhin verliebte er sich in die Stenografin! Ein Szenario wie für eine Offenbach-Oper oder ein Hollywood-Melodram. Gleichzeitig, so Heftrich, ist der Roman selbst eine ironische Variation: und zwar über Puschkins Erzählung "Pique Dame", deren Motive Dostojewski aufnehme und ins Drastische und Komische wende. Über Geiers Übersetzung muss Heftrich im Grunde nicht viel sagen: Er zitiert einige Sätze, und sie klingen so frisch, aktuell und neu geschrieben, dass man sofort loslaufen und sie kaufen möchte!
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