Amerika: Entdeckung oder Erfindung? Florian Borchmeyer untersucht in dieser groß angelegten Studie literarische Werke von Kolumbus erstem Bordbuch (1492) bis hin zum Werk des Chronisten Guama Poma (bis ca. 1616) und zeigt ihren Rang als literarische Zeugnisse, aber auch ihre Bedeutung für das europäische Denken: Aus philosophischen, kosmografischen aber auch theologischen Gründen hätte Amerika gar nicht existieren dürfen. Eine sprachgeschichtliche Analyse verdeutlicht den Kampf um ein neues Selbstverständnis. Borchmeyer skizziert hierzu eine Poetik der "inventio". Mehr als eine historische und ethnologische Untersuchung stellt die Ordnung des Unbekannten eine philologische Reflexion über die Bedeutung der Chroniken, Briefe, Erzählungen und Epen des hispanoamerikanischen Cinquecento dar, die sich nicht auf die traditionellen oder heute gültigen Textkategorien und Wissenschaftsdisziplinen reduzieren lassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.09.2010
Hans-Martin Gauger preist diese aus der Dissertation entstandenen Studie über die ersten sprachlichen Zeugnisse der Entdeckung von Lateinamerika als überaus gehaltvolle philologische und zudem beeindruckend fleißige Arbeit. Der Autor Florian Borchmeyer, neben seiner Tätigkeit als Dokumentarfilmer auch FAZ-Autor, hat seinen Kritikerkollegen nicht nur durch seine scharfsinnige Durchleuchtung der sprachlichen Unterscheidung von Entdeckung und Erfindung fasziniert. Borchmeyer habe eine eindrucksvolle Fülle aus Texten von der Antike bis ins 16. Jahrhundert ausgewählt und subtil, auch "immer etwas postmodern", aber stets mit dem nötigen Ernst untersucht, lobt Gauger. Der Autor nimmt die Veränderungen in Vorstellung und Denken unter die Lupe, die mit der Entdeckung der Neuen Welt einhergingen und kann eindrucksvoll zeigen, wie viel sich damit für die ganze Welt gewandelt hat, so Gauger begeistert.
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