Der Zusammenbruch des Ostblocks 1989/1991 stellte auch das Ende der bis dahin arbeitenden Geheimdienste dar. Sie hinterließen, nachdem sie ihre Tätigkeit offiziell eingestellt hatten, ein hochexplosives Erbe, das bis zu diesem Zeitpunkt in "Giftschränken" sorgsam vor den Blicken der Öffentlichkeit verwahrt worden war. Heute ist der überwiegende Teil dieser Aktenbestände in Archive überführt worden, wo sie schrittweise zur Einsicht und der Forschung zur Verfügung gestellt werden.
Doch was sagen die Hinterlassenschaften der Geheimdienste tatsächlich über die Epoche, in der sie angefertigt wurden, und ihre Akteure aus?
Der Band zieht eine Zwischenbilanz zum Stand der Aufarbeitung anhand der Beispiele Deutschlands, Rumäniens, der Slowakei, Tschechiens und Ungarns.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2019
Eine "Buchbindersynthese" ist das, schreibt Hermann Wentker vom Institut für Zeitgeschichte - also ein Mann vom Fach. Damit meint er, dass es sich bei dem Band eher um ein Sammelsurium von Beiträgen höchst unterschiedlicher Machart und Qualität handele. Manches findet er banal, etwa die in manchen Beiträgen ausgebreitete Erkenntnis, dass gesellschaftliche Außenseiter von den Inlandsgeheimdiensten besonders eng überwacht wurden. Aber insgesamt hat er den Band mit Interesse gelesen. Besonders aufschlussreich fand er die Kapital über die Überwachung nationaler Minderheiten in Ungarn und Rumänien und hebt einen Beitrag William Totoks über den informellen Securitate-Mitarbeiter Sigmund Cloos hervor, der etwa bei der Drangsalierung des Lyrikers Oskar Pastior eine Rolle spielte. Cloos war ein Ex-Nazi, der von der Securitate perfekt als Spion in seiner Community eingesetzt werden konnte. Diese Beispiele zeigen für Wentker die ganze Perfidie der Geheimdienststrategien in den kommunistischen Ländern.
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