Florian Schubert

Antisemitismus im Fußball

Tradition und Tabubruch
Cover: Antisemitismus im Fußball
Wallstein Verlag, Göttingen 2019
ISBN 9783835334205
Gebunden, 488 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Die beliebteste Sportart in Deutschland - ein Ort für Antisemitismus und Diskriminierung.Fußball wird von Millionen von Menschen in Deutschland gespielt, von noch mehr Fans im Stadion oder am Bildschirm verfolgt. Fußball ist ein kulturelles Ereignis - und gleichzeitig ein Bereich, in dem Diskriminierung und besonders Antisemitismus noch immer gegenwärtig sind, so der Autor Florian Schubert. Mit antisemitischen Stereotypen werden seit jeher gegnerische Spieler, Fans und auch Schiedsrichter diskreditiert, unabhängig davon, ob es sich um Juden handelt oder nicht.Florian Schubert eruiert, in welcher Form und in welchen Kontexten Antisemitismus im Fußball seit den 1980er Jahren in der BRD und in der DDR auftaucht und wie er fußballintern bewertet wird. Er untersucht die Funktion antisemitischen Verhaltens bei Fans, Spielern und Vereinsverantwortlichen - von Nationalmannschaft und DFB bis hin zu regionalen Vereinen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2019

Mit einigen kleineren Einschränkungen empfiehlt Kai Spanke dieses Buch als eine zugleich hoch instrukive und leider auch verheerende Bestandsaufnahme des bis heute im deutschen Fußball und in der Fan-Szene wütenden Antisemitismus. Ein historischer Exkurs zur Fußball-Weltmeisterschaft 1978 zeigt ihm, wie stark die Kontinuitäten im Deutschen Fußball-Bund waren: Schamlos posierte der damalige DFB-Präsident Hermann Neuberger da mit alten Nazis. Später, so Spanke, begnügte sich der DFB mit Nichtstun, wenn Fans krass antisemitische Plakate hochhielten. Noch schlimmer allerdings ist für Spanke der von Florian Schubert mit manchmal geradezu nervender akademischer Akribie vorgetragene Befund, dass das Problem bis heute nicht im geringsten bewältigt ist. Das "Lexem 'Jude'" habe inzwischen als "Allzweckschimpfwort Karriere gemacht". Fan-Postillen wurden zu rechtsextremen Hetzorganen. Und später kam dann auch noch der muslimische Antisemitismus hinzu. Besonders in Clubs der unteren Ligen kursierten bis heute krasseste Parolen. Das Bild, das die "Sportschau" vom deutschen Fußball vermittelt, ist vielleicht doch nicht so realistisch.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.07.2019

Dieses Buch behandelt Antisemitismus im Fußball als "eigenständiges Phänomen und sucht dabei die spezifischen Ursachen in der Fankultur", erklärt Rezensent Frederick Schindler. Der Kritiker stimmt dem Autor vollkommen zu, dass Entwicklungen im Fußball nicht mit denen der Gesellschaft im Allgemeinen verwechselt werden dürfen. Aus Schuberts Aufarbeitung hat er beispielsweise gelernt, dass die Neonazis im Fußball von der Ultrakultur in den Hintergrund gedrängt wurden und dass Antisemitismus unter Fans heute häufig von Muslimen ausgeht. Auch wenn der Rezensent dafür dankbar ist, hätte er sich gewünscht, dass der Antisemitismus selbst differenzierter betrachtet worden wäre, denn die Definition des Autors nimmt laut Schindler im Buch nur zwei Seiten ein.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.05.2019

Rezensent Ludger Heid ist dankbar für Florian Schuberts Studie über Antisemitimus in deutschen Fußballstadien. Wie virulent und massiv das Problem ist, erfährt Heid in diesem Buch. Schockierend findet er nicht nur die anhand von Interviews und Berichten gewonnene Erkenntnis über die Alltäglichkeit und die Wirkungsmächtigkeit antisemitischer Kommunikationsformen bei den Fans, sondern auch die vom Autor festgestellte Tatsache, dass der DFB dem Problem weitgehend hilf- und tatenlos gegenübersteht. Alarmierend und beschämend, findet Heid und empfiehlt die Lektüre.

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