Selbstdarstellung scheint heute selbstverständlich, Schüchternheit hingegen ist passé. Stimmt nicht, wie Florian Werner in seinem Bericht zeigt. Die Gesellschaft der Schüchternen ist auch im 21. Jahrhundert überraschend groß. Amüsant und formvollendet erzählt Werner von seiner Rolle als zweitgeborener Zwilling, von der Bedeutung von Kapuzenpullis, wie er seine Frau kennenlernte und warum er auch gegenüber unverschämten Kellnern zwanghaft höflich bleibt. Werner erklärt außerdem, wie Schüchternheit bei Kindern entsteht, wie der große Markt der Schüchternheitsbekämpfung funktioniert und warum Schüchternheit auch eine Stärke sein kann. Ein ungewöhnlicher Erlebnisbericht.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.05.2013
Soo schüchtern ist der Autor zum Glück nicht, meint Manfred Koch erleichtert. Anderenfalls nämlich wäre der Rezensent womöglich gar nicht in den Genuss des Essays von Florian Werner gekommen. Werner aber nimmt allen Mut zusammen, um die Schüchternheit genauer zu betrachten, die eigene und die allgemeine, und das sogar mit Humor. Er nimmt Koch mit unter Schlabberpullis, in denen der schüchterne Autor sich verstecken kann, und berichtet mit für den Rezensenten überraschender Leichtigkeit autobiografisch über ein Leiden, zu dem er auch gleich eine Kulturgeschichte liefert, Stichworte: Casting-Gesellschaft und Internet! Dass der Autor ein ganz Gewiefter ist, der mit seiner Schwäche bloß kokettiert, diesen Verdacht wehrt Koch entschieden ab.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.08.2012
Über eine Ideen- und Mentalitätsgeschichte der Schüchternheit geht Florian Werner mit seinem Buch hinaus, findet Rezensentin Katharina Teutsch. Laut Teutsch schreibt Werner sowohl über eigene Schüchternheits-Erfahrungen und Versuche, diese zu überwinden, als auch eine Apologie dieser nahezu verlorenen Kulturtechnik. Sein historischer Abriss mündet in die These von der Historisierung der Schüchternheit im Zuge des Kapitalismus, die Teutsch in Werners Buch noch durch die vermeintliche Pathologisierung durch amerikanische Pharmafirmen gestützt findet. Diagnose: Sozialangst. Lösung: Antidepressiva. Über die rührigen Schlussworte des Autors, sein Bekenntnis zum Schüchternsein, muss Teutsch noch nachdenken, sanft errötend vielleicht.
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