Ausgewählt und aus dem Englischen übersetzt von Matthias Kniep. "das englische wort weather heißt verwittern, aber auch widerstehen. verwittern ist eine widerstandsfähigkeit. auf den hügeln hinter unsrem haus: ginsterbüsche gekrümmt, gebeugt und geformt vom rauen wind. das entspricht nicht ihrem natürlichen wachstum, aber sie werden verwandelt, verformt, verzerrt, wie wir." Der vorliegende Band mit Texten der britischen Dichterin Fran Lock umfasst ein Manifest und elf Gedichte, die zu einem neuen Klassenkampf auffordern: Wie sich wehren gegen die "bargeldlose Gesellschaft" und digitale Entkörperung? Wer ist der wirkliche Feind und wie findet die Hyäne ihren Ausgang aus dem Kapitol? Indem diese Texte eine "grammatik irrationaler möglichkeit" vorführen, greifen sie voraus auf noch zu erfindende Körpersprachen der Zukunft. Zu den Strategien des Widerstands gehören aber auch Beschwörungen traditioneller Geisterballaden: "Mein Schreiben geht aus von alten Volksmärchen, von Überlieferungen meiner heidnischen Wurzeln und von den öden, wilden Landschaften meiner Kindheit. Ich schöpfe aus der irischen Geschichte, aus der Quantenmechanik und aus dem Okkulten…" Matthias Knieps Auswahl und Übersetzung präsentiert erstmals in deutscher Sprache eine Dichterin, deren "Arbeiter:innenpoetik" zu den derzeit radikalsten Positionen in der englischsprachigen Gegenwartsdichtung gehört.
Kritiker Konstantin Ames hat mit Fran Locks neuem Buch einen interessanten Hybrid aus Lyrik und Essay vor sich, der sich widerständig und feministisch gibt. Lock rekurriert darin beispielsweise auf die lange Tradition, Frauen als Hexen zu sehen, "die vielen glühenden/schenkel auf dem scheiterhaufen" lesen sich für Ames hier aber als Selbstermächtigung. Ziemlich "rauh" geht es in dieser Lyrik zu, manchmal mangelt es dem Kritiker an einem "kolloquialen Moment", wie ihn der Dichter Sean Bonney forderte. Dafür gibt es viele "mitreißende Zeilen" wie diese: "queer ist / beides. orientierung / und gemeinschaft. / das kleid ist beides. Manches, wie die Kritik an staatlichen Institutionen, ist etwas flach, aber langweilig wird es nicht, wie Fran Lock konsequent "gegen den strich" geht, auch wenn ein Übersetzerkollektiv vielleicht noch mehr hätte rausholen können, schließt Ames.
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